Kafka

von Michael Bauer E-Mail

wäre heutedie Tagewasweißichwann 125 Jahre. Und alle, alle, überschlagen sich. Zu seinen Lebzeiten hat sich leider keiner überschlagen, wegen ihm. Sogar gegen seinen Willen wurde er veröffentlicht. Ich beginne diese Geburtstags- und Todestagjubeleien zu hassen. Alle Welt will nur beweisen, was sie doch alles im Germanistik (oder anderem) Studium gelernt hat (MA), wie sie die tertiär Literatur intus haben. Alle Briefe gelesen und zurück interpräserviert. Manchmal könnte man meinen sie masturbieren mit den Texten. DAS ist Weltliteratur.

Natürlich IST es das und was für welche, man soll es ja auch lesen können, dürfen sollen. Aber könnte sich das versammelte Volk der Interprätatoren, Besprechern und Groupies nicht besser LEBENDEN Personen zuwenden, die vielleicht genauso unerkannt vor sich dahin bloggen, schreiben, jodeln, meiseln, malen, dichten, tanzen? (Kafka hätte bestimmt gebloggt!)

Aber da gibt es ja keine Sekundärliteratur dazu, kein Prof hatte sein Händchen darauf gelegt, man wäre ja anfechtbar.

Ja, ja, deshalb bleiben sie lieber bei den Toten, die aufgearbeitet sind.

2 Kommentare

Kommentar von: anobella [Besucher] · http://anobella.twoday.net/
da sind gleich zwei gewagte hypothesen drin. erstens man hätte sich leider zu kafkas lebzeiten nicht wegen kafka überschlagen. hat man, er gehörte zum prager kreis. er galt als bedeutender expressionistischer schriftsteller, aber er hat kaum was druckfertiges produziert. das, was er als druckfertig empfand, erschien. er hat 3 romane in den sand gesetzt. außerdem wurde er nur 42. da hätte also noch was nachkommen können.

zweitens - blogger können sich doch selbst veröffentlichen. und tun es. und werden gelesen. also, ist doch alles wunderbar. sie sind so medial wie nie zuvor, ob sie nun gut oder schlecht sind.

und dass ein guter autor unentdeckt bliebe, halte ich heute für ein ding der unmöglichkeit. es sei denn, er will nicht.

p.s. sie haben kafka gestern in der kultuzeit als womanizer bezeichnet. da verstand ich zum ersten mal, dass einem das popgequatsche der kulturzeit auf den wecker gehen kann. er war das ganze gegenteil davon, vier fünftel seiner frauenbeziehungen verliefen geradezu tragisch unglücklich, für beide teile.
04.07.08 @ 09:35
Kommentar von: Michael Bauer [Mitglied] E-Mail
Mir geht es um die mediale Aufmerksamkeit. Es werden Tonnen von Papier mit Sachen über tote Personen voll geschrieben. Gestern gerade wieder über Kafka. Kann man schön vom Schreibtisch aus. Aber sie geben kein Geld mehr aus für die Recherche von Projekten vor Ort. Theater, Kunst, Architektur, Musik, Literatur.
Weite Teile des Kulturlebens in den großen Städten muss ohne mediale Aufmerksamkeit von statten gehen. Vor allem die kleinen Bühnen, Clubs, Ateliers, Gallerien leiden darunter. Natürlich auch die Literatur. Darum geht es mir. 2009 werden sie wieder eine Schau mit Schiller abziehen, wie jetzt mit Kafka.
04.07.08 @ 09:49

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