Scheißhormone
von Michael Bauer

Draußen im Kalten die Reitschul' (*Karussell zu neudeutsch) und drinnen bläst Mikel die Hände warm, um den Füller geschmeidigerer führen zu können, Verse schmiedend und freut sich nicht draußen stehen zu müssen, direkt neben den Fritteusen und in den Rauchschwaden des Bratwurstfett. Erschaudernd denkt er an die Stunden, die er in der Kälte der Kerwe verbracht hat. Wer feiert schon Kirchweih im November, eh? Solange die Kinder klein waren, jo und als er selbst klein war, jo, da war das halt USUS, aber heute, diese Energieverschwendung, dieses geschmacklose Drehen im Kreis, diese Analogie des Drehens ins Grab..Nee.
Und dann kommt ein Enkelchen herein mit einem gar nicht so alten Mann im Schlepptau, frierend und die Augen des Opas glänzen, während kleine Ärmchen halt suchen an Opas Nacken und dann lachen die Augen der Oma zu und die lacht auch und sie grüßen den Mikel angeheitert vom Karussellfahren, fast besoffen an dieser Nüchternheit der Miniaturfeuerwehren und Polizeiautos und ich war neidisch, bezahlte und ging.
Scheißhormone. Wie soll man da ernsthafte Gedichte schreiben und die Literatur aus den Fängen der Post retten?

Ich WILL gar kein Opa sein, ich hab' keine Zeit für sowas, es ist auch nix im Busch, aber diese glänzenden Augen...Scheißhormone, aber auch. 



17.11.07 20:05:00, 