Ad Deum, qui laetifcat
von Michael Bauer
Caution! Roman Catholic Content! Protestanten und Heidenkinder mal weghören.
Es ist sogar im Spiegel angekommen. Ratzinger wird wohl die tridentinische Messe wieder zulassen und das ist gut so. 1969/1970, als die lateinische Messe abgeschafft wurde, war ich noch Meßdiener und begeistert. Endlich tat sich was. Seltsame Zeit damals. Ich brachte es fertig, wie viele andere auch, zu erst in die Abendmesse zu gehen und anschließend in den Woodstock-Film, hab ich echt so gemacht. Es war problemlos möglich Che Guevarra, die Sandinisten, das Matthäus Evangelium, Bob Dylan, Rudi Dutschke, Shakespeare, Frank Zappa, Bert Brecht und Paul Gerhard zusammenzudenken. Dieser Wandel, der sich überall vollzog umfasste eben auch die Kirche. Alles schien möglich. Da lockten auch künstlerische Aussichten. Ich schrieb Gebete, die gut waren. Besser als meine Lyrik damals. Ich entwarf Messen. (Die Abschaffung der Messe durch Luther war eine dramaturgische Barbarei, protestantische Gottesdienste sind deshalb so sterbenslangweilig, fand ich heraus.) Ich konnte nichts besser, spielte mit Dramaturgie, setzte Technik ein. Licht. Projektionen. Man trieb es mir aus. Es entstand eine neue Ordo. Ein verdammt schlechte. Von Stümpern gemacht.
Fortsetzung:
Die Übersetzungen aus dem Latein waren stümperhaft, sind es heute noch. Die alte Ordo war dramaturgisch der neuen Form haushoch überlegen. Man verblödete sich nicht „Dominus vobiscum“, diesen uralten Gruß, mit „Der Herr sei mit Euch“ zu übersetzen. Eine Art der Übersetzung, die man uns bereits in der Quarta abgewöhnt hatte. Sie übersetzten in ein Deutsch, das es nie gegeben hatte. Und sie sagen es heute noch und blöken hinterher „und mit deinem Geiste“, statt „et cum Spiritu tuo“. Uninspiriert übersetzt, nicht nachgedacht darüber, wie man Menschen heute begrüßen könnte. Wahrscheinlich hat mich dieser Satz am meisten aus den Gottesdiensten geekelt. (Nein, ich bin irgendwie nie ausgetreten. Im Prinzip komme ich mir vor, als wäre ich nie eingetreten gewesen). Ich habe schon gehört, wie ein Kaplänchen mit zitternder Stimme rief: „Ehre sei Gott in der Höhe“ und dann brauste ein Mozart Gloria in wunderschönem Latein über ihn hinweg. Nichts passt da. Wie gesagt, mir wäre es um Entwicklungen gegangen um Aufbrüche. Aber man blieb lieber stehen, zog sich in die Sakristei zurück und blieb dort. In die Sakristei der neuen Betonkirchen. Ich bin längst wo anders, geistig, werde auch dort bleiben, nebenbei bemerkt. Hat schon einmal jemand gesehen, was sie durch diese „Liturgie Reform“ der Architektur romanischer/gotischer/barocker Kirchen angetan haben? Stümper. Das hätte man auch anders lösen können. Anstatt weiter die Kanzel zu benutzen um niemanden mehr abzukanzeln gibt es überall Mikrofone und Beschallung, meist genauso stümperhaft eingestellt, Boxen an den unmöglichsten Stellen. Es quietscht und scheppert und hallt. Altäre stehen auf den falschen Plätzen. Ach was soll's. Was reg ich mich auf. Ist eh vorbei. Ich vermute allerdings, dass den Ratzi ganz andere Dinge bewegen. Fundamentalistische. Lingua Latina vs. Koran oder so. Ist mir egal. Wenn das nächste Mal eine lateinische Messe mit Mozart-Content gegeben wird geh ich hin. Hhhmm, Speyer, Worms, Mainz, die Jesuitenkirche in Mannheim. Hhhmm. Das Münster in Salem. Hhm. Kann ich nur empfehlen Leute. Das ist besser als Oper. Echt. Hat mit Glauben zunächst nix zu tun. Das ist KULT(ur) in Echtzeit.
Jo. Mal gucken was sich tut.




20.01.07 11:50:51, 