Opferungen

von Michael Bauer E-Mail

Heute morgen hing der fast schon volle Mond riesig und rot im Westen, genau dort wo sonst die Sonne untergeht zu Mittsommer. Die Autos auf der Autobahn fuhren direkt in diese schwarz befleckte Scheibe, die Scheinwerfer erstarben. Ich stand auf der Brücke und schaute, verwünschte ihn, weil er mir den Schlaf raubt und doch überkam es mich archaisch. Ich dachte an die Keltengräber, die von der Autobahn überquert werden, die villa rustica unserer römischen Vorfahren, die von den Reifen durchschnitten werden, den fränkischen Herrenhof darüber, von deren Resten gespeist und ich wollte opfern. Mir war einfach nach Opfer und Spucke fiel auf die gerade frisch geteerte Bahn, die noch gesperrt, als wollten meine Keime sich in die schwarze Masse bohren, bevor die Walzen wieder beginnen würden zu walzen. Die Brücke war mir Altar, es gab keinen Gott, nein, nur diese riesige Scheibe und ich. Klein hängt er jetzt von durchsichtigen Wölkchen umspielt, als ob sie uns kuppeln wollten im fahlen Licht, dort oben im Osten, wo morgens sonst die Sonne über der Bergstrasse steht, wenn mein Ich zum zweiten Frühstück pfeift, direkt über dem Monitor und er opfert mir. Ich weiß nicht was und ich singe in mein mp3

Obergärige Monde
pflanz ich
an den Horizont
dort drüben hinter der Hecke

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