Leichen im Keller der Feuilletons

von Michael Bauer E-Mail

Wie gut, dass die „bedeutenden“ Dichter auch ihre Leichen im Keller haben. Ich empfinde nichts als Respekt vor Grass sich endlich ausgekotzt zu haben. Um es deutlich zu machen: Ich finde es nicht gut, dass er so lange gewartet hat, wenn er schon den Moralapostel gab, aber meinen Respekt hat er, das jetzt noch zu sagen, vor allem, weil dieses hochgetrabte Feuilleton jetzt mal wieder aus allen Kommentarlöchern fällt. Nun ja und unser aller Brecht wird 'runtergeputzt. Da rechnet wohl das jüngere Feuilleton mit den 68iger Deutschlehrern ab, die ihn in den sozialistischen Himmel hoben, wo er nie hingehörte. Jo und Stalinist war er auch. Deswegen stammen doch aus seiner Feder (oder den ihm zuschreibenden Federn) einige der besten deutschsprachigen Gedichte und ein große Zahl an Dramen, die man auch heute noch inszenieren und mit Freude konsumieren könnte und kann. Es muss nicht immer die Mutter Courage oder der Mackie Messer sein. Ich wollte es gäbe mehr von diesen Typen und eine Szene, die so was hervorbringt. Eine Annäherung und gleichzeitige Distanzierung zu Brecht findet man übrigens in Zuckmeyers Autobiographie „Als wär's ein Stück von mir“. Ich werde die Zeit mal wieder Brechtlyrik lesen, nein Grass nicht. Aber nicht deswegen. Um es aber deutlich zu sagen: Das alles ist keine, aber wirklich keine Entschuldigung für Handke und seinen Milosewitschismus. Aber lesen könnte man ihn trotzdem, nur nicht preisen, gell. Die Publikumsbeschimpfung wär mal wieder lustig. „Theater ist verkaufte Abendunterhaltung“ sagte eins Bertold, oder? Ja und endlich wieder eine gescheite Inszenierung des "Fröhlichen Weinbergs", jenseits der Schenk'schen Dramaturgie wär auch mal wieder was. Zuck und Brecht in einem Festival vereint. Nun, das wär was.....:>:>:> für den Strittdingsbums von der Faz zum toben...

2 Kommentare

Kommentar von: Eufemia Pursche [Mitglied] E-Mail
das ist eines meiner Brecht'schen Lieblingsgedichte:

[i][Der, den ich liebe ...

Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Daß er mich braucht.
Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Daß er mich erschlagen könnte.[/i]
13.08.06 @ 11:25
Kommentar von: franziska [Besucher] · http://franziskas.net/gartentage/
Das ist auch mein absolutes Lieblingsgedicht von Brecht! Tu vois... :-)
13.08.06 @ 16:37

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