Tod in der Fakultät für Literatur

von Michael Bauer E-Mail

lautet der Originaltitel eines Romans von Batya Gur. Wer bei Goldmann, äh Random House auf die Idee kam das Werk einer israelischen Krimi-Autorin „Im Anfang war das Wort“ zu taufen (für Heidenkinder: Das ist Johannes, NEUES Testament, gut der war auch ein Jude, aber ein neutestamentlicher Titel für eine jüdische Autorin grenzt schon an, äh, na ja). Immer wenn der immerwährende Krieg ( was war der 30 jährige so kurz dagegen) besonders laut poltert, versuche ich Autoren aus den Gebieten zu lesen. Das macht meist mehr Sinn, als die Kommentare von Experten zu verstehen, egal welcher Fakultät. Es ist schade, dass Batya Gur nicht mehr lebt, keine neuen Krimis schreiben kann. Ich liebe diese Krimis. Als Krimis, Literatur und Quelle für israelischen „Alltag“. Ihr Ausflug in die Welt der Musik war schon beachtlich, aber ihr Engagement in Sachen Literatur ist phänomenal. Es geht tatsächlich um den Tod eines Lyrikpapstes und der Leser erlebt staunend die Welt der „Literaten“ an einer Uni. Ich habe noch selten so viel wirklich gute „Bemerkungen über Lyrik“ gelesen wie hier. Wahrhaftig und doch unterhaltend. Ich weiß nicht, ob da irgendjemand in Israel wirklich gemeint ist, wahrscheinlich geht in der Übersetzung zwangsläufig vieles verloren, aber einem erfahrenen lyrischen Forengänger und Ex-Moderator solcher Dinge ist das Grundmotiv des Romans nach 10 Seiten schon klar. Nicht wer der 2. Mörder ist, das dauert, aber der Hintergrund des ersten Mordes ist vollkommen klar. Die Tat, die die Tat provozierte ist dauerhaft lebendig im Netz. Ich habe sie selbst bei Co-Moderatoren erlebt. Nein ICH habe nicht gemordet deswegen, aber in dem Krimi da. Wer also lyrik-affin ist oder generell etwas über die Welt der Schreiberlinge wissen will, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.

2 Kommentare

Kommentar von: Kehrtraud [Besucher] · http://kehrtraud.blog.de
Wobei ich den Krimi relativ fad finde. Die Welt der Literaturwissenschaft ist mir doch sehr fremd. Aber eine gute Erklärung, was ein gutes Gedicht ausmacht, das ganze noch als Dialog verpackt, habe ich gefunden.
Besser gefallen hat mir: Du sollst nicht begehren. Hier wird das Leben in einem Kubuzz geschildert. DAs fand ich sehr sehr interessant. Jedenfalls interessanter als die literarische FAkultät oder die Polizei-Büros.

gruß
g.
13.08.06 @ 08:54
Kommentar von: Michael Bauer [Mitglied] E-Mail
Natürlich ist "Du sollst nicht begehren" für uns sehr viel informativer, werden wir doch mitten hinein in eine fremde Welt geführt, die sehr oft nur idealisiert dargestellt wird. Aber die Literatursache hat mich ungemein amüsiert, vorallem der entlarvende Zynismus der Autorin, die jede "Überhöhung" von Kunst aus dem täglichen Leben ab absurdum führt. Das hat mir daran so gut gefallen.
13.08.06 @ 09:06

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots.

Bitte die oben abgebildeten Zeichen eingeben. (Groß/klein ist egal)

Array