Guckst du
von Eufemia Pursche
Falls ich es nicht schon erwähnt haben sollte, Forscher haben manchmal eine Leerstelle in der Denkschüssel, genau in dem Lappen, der soziale Fähigkeiten prägt. Vielleicht ist auch nur die astrophysikalische oder quantentheoretische Zone geboostet worden wie weiland Popeye mit Spinat und nimmt den sozialen Qualitäten einfach den Raum? Heute erhielt ich den eindeutigen Beweis. Natürlich habe ich jeden Tag genügend Beweise, doch heute schreibe ich ihn auf. Stell dir vor, du gehst gemächlich den Gang entlang, als plötzlich irgendein Forscher aus der Toilette fünf Türen weiter kommt. Es könnte auch eine Forscherin sein, sie haben etwas Asexuelles im Erscheinungsbild. Kurz und gut, du näherst dich ihm/ihr bis auf drei Meter, der Distanz, die weltweit als Guten Tag Begrüßungspunkt angesehen wird. Wenn man nicht als asozial gelten möchten. Dein Guten Tag prallt an den tristen Wänden ab und landet im nonverbalen Niemandsland. Ohne Echo heftet dein Forscher seinen Blick starr und undurchdringlich eine Handbreit neben deine Schulter. Ist er vielleicht gerade damit beschäftigt, die Relativitätstheorie neu zu erfinden? Oder ist er so in Gedanken versunken, dass er nichts und niemanden um sich herum wahrnimmt? Das wage ich zu bezweifeln. Vielleicht ängstigen ihn soziale Interaktionen einfach:
Und wenn die Tante, die mich da grüßt, mir eine Frage stellt? Dann müsste ich eine Antwort parat haben. Und wenn ich die nicht finde? Besser, gar nicht hingucken …
Jepp, ich wünsch dir auch einen bescheidenen Tag, Brainie!




11.04.06 21:40:06, 