Narrenblockade
von Michael Bauer
Im letzten halben Jahr machte ich mich mindestens 2,756 mal zum Narren. Die Zahl schwankt je nach statistischer Auswertung und externer oder interner Beobachtung. Aber tatsächlich war ich ein Narr. An und für sich bin ich gerne närrisch. Das lockert, hält bei guter Laune und ist meist kostenlos. Ein guter Freund wollte partout seine Diplomarbeit „Jesus als Narr, das Närrische als Leitmotiv aller Gläubigkeit“ titulieren. Wundert es jemanden, dass er nie Theologe wurde? Soweit würde ich ja nicht gehen. Nicht mehr. Mir reicht es alltäglich-närrisch zu sein, ganz ohne theoretischen Hintergrund und hoch-hehrer Begründungsbedeutlichkeit. Das einfache Narrsein an sich. Nur am Rosenmontag beschleicht mich seit Jahren ein eigentümliches Gefühl. Ausgerechnet an diesem hohen Tag des allgemeinen Narrseins verlässt mich mein närrisches Gemüt. Mein Gefühl dafür, die Lust zu Narren an sich. Ich kann nichts dafür. Als die Fastnacht noch eine Party unter vielen war, was rannte ich da zu den Zügen und Bällen, schrie mich heiser und knutschte in den Ecken, war wie ersichtlich närrisch bis zum abwinken, samt Jakobinermütze und Orden. Aber heute? Immer zu Rosenmontag überkömmt mich das Verlangen Kafka zu lesen oder gar Thomas Mann. Oder den Wallenstein vom Friedrich. Das alles könnte ich noch ertragen. Nur ich weiß: Spätestens am Aschermittwoch wird mich das Bedürfnis überwältigen närrisch zu sein! Mein Ich grinst bereits breit und sartiriert mich.
Ja, ja die Blogger, seufzt mein Über-Ich und nimmt die Pfeife aus dem Mund, kratzt sich damit die Stirn und flüstert: Blog mich...Also, wenn das nicht närrisch ist? Aber heute, heute will ich ernsten und grimmen und die Welt verachtenswert dahinseuseln oder so....
mit einem dreifach donnernden , äh, was rufen eigentlich Nicht-Narren? Wie, was...?
1 Kommentar
Wunderbar, deine Texte zu lesen! Jawoll!!




27.02.06 09:11:24, 