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4 Kommentare

Kommentar von: Eufemia Pursche [Mitglied] E-Mail
FAQs zum Text:

1. Frage Einladung zum Festschmaus:

Femis Antwort:

So geleitet mich zurück und seid willkommen beim großen Festmahl des Assurnasirpal. Genießen wir Euren edlen Tropfen, lasst Euch nieder mit den anderen Gästen und lauschen wir den alten Babylonischen Klängen und kostet von meinem Rohmilchkäse und den frischen Feigen, die ich heute auf dem Markt am Karlsplatz im postbabylonischen Düsseldorf erstand -))) ......

Als der König Assurnasirpal der Zweite seine babylonische Hauptstadt Nimrod auf der Stätte des alten Kalhu (Kalah) einweihte, richtete er ein zehntägiges Fest für seine 69574 Gäste aus. Es ist eine Stele erhalten mit einer genauen Auflistung dieser Mammutfete.

Als Assurnasirpal, König Assyriens, seinen Palast einweihte, lud er den großen Gott Assur mit allen Göttern des Landes zu einem Festmahl:

Fleisch:
1000 fette Rinder, 1000 Kälber und Lämmer aus den Ställen, 14000 Ziegen, gekauft aus den Ställen der Göttin Ischtar (babylonisch - assyrische Göttin des Himmels und der Liebe) ebenso 200 Kühe, 1000 mit sialhu gefütterte Schafe, 1000 Frühlingslämmchen, 500 Hirsche, 500 Antilopen, 1000 große Enten, 500 Gänse, 500 Wildgänse, 1000 Schnepfen, 1000 Wachteln, 10000 Tauben, 10000 Turteltauben, 10000 kleine Vögel, 10000 verschiedene Fische, 10000 Springmäuse

10000 Eier

10000 Brote

10000 Fässer Bier, 10000 Schläuche Wein

Danach folgt die genaue riesige Aufstellung der Beilagen, darunter Käse, Butter, Milch, Nüsse, Kräuter, Gemüse, Salat, Öl, Salz, geröstete Körner, Datteln, Rosinen, Pistazien, Oliven, Früchte.....

Der König sprach:

Als ich den Palast von Kalah einweihte, ernährte ich so zehn Tage lang 47074 Männer und Frauen die ich aus allen Teilen meines Landes eingeladen hatte, nicht weniger als 5000 Repräsentanten fremder Länder plus 16000 Einwohner von Kalah und 1500 Mitgleider meines Palastes – also insgesamt 69574 Gäste. Ich ließ sie essen und trinken und kleidete sie. So geehrt, entließ ich sie zufrieden und froh nach Hause!

2. Frage zum Wein:

Femis Antwort:

Ja, der WEIN im alten Mesopotamien hatte zunächst einen wesentlich schwereren Stand als das Bier. Dieses wurde in jedem Haushalt selbst zubereitet, und aus der überschüssigen Produktion entstand sehr früh die Grundidee der Taverne, wo Gästen rund ums Bierfass das Getränk angeboten wurde...

Darüber hinaus ist bekannt, dass Bier und auch Wein nach exorzistischen Ritualen verabreicht wurden! Der Genesende beschwor die Gunst der Götter mit dem Spruch:

"Möge Siris (Göttin des Bieres) oder Ningishzida (Gott des Weines) mich befreien!"

Die ältesten Weine sind zweifelsfrei Fruchtweine aus Pressung und Gärung einzelner oder mehrerer safthaltiger Früchte. Nicht nur aus Datteln, auch andere gesüßte oder aromatisierte Tröpfchen erfreuten nach der Fermentierung die Gaumen. Der Wein aus Weintrauben ist auch hier der bekannteste....

Zunächst bedeutete sowohl die sumerische als auch die akkadische Bezeichnung für Wein nicht das Getränk, sondern die Gesamtheit von Weinstock und Rebe und Traube. Das sumerische setzte sich aus gesh/gish = Holz und alles holzartige und tin = Leben zusammen, und dem akkadischen Wort entsprach die Gesamtheit von Weinberg und Rebstock (im Hebräischen gab es dafür die Bezeichnung .

Das erste Mal, dass tatsächlich vom Wein gesprochen wird, ist auf einer Inschrift des sumerischen Königs von Lagasch, Urukagina (2351 – 2342 v. Chr.) Dort rühmt er sich, seinen Bierkeller für die Lagerung des Weines aus dem Gebirge in großen Gefäßen zur Verfügung gestellt zu haben.

Das Gebirge bezeichnet den Norden des Landes, die syrisch-armenische Region nach der laut biblischer Legende dieses edle Getränk entdeckt und angebaut wurde. In Mesopotamien wurde der Wein jahrhundertelang nur importiert. Dem Bier konnte er sie erste Stelle nicht streitig machen. Auch die Hierachie der Götterwelt spiegelt dies wieder: Ninkasi (= die Dame, die den Mund füllt) war den Sumerern wie Siris den Assyrern als Biergöttinen Göttinnen erster Güte. Die Weingötter Geshtinanna (=himmlischer Wein) für die Sumerer und Ningishzida (= Herr des wahren Holzes) für die Assyrer blieben Untergötter.

Den Transportweg des Weines erfolgte auch über den Wasserweg den Euphrat hinab. So schrieb ein gewisser Belanun (ca 1700 vor unserer Zeit) seinem Händler Ahuni:

"Warum hast du mir keinen guten Wein gekauft und liefern lassen? Kauf mir welchen und schick ihn mir! Dann komm selber her um mich hier in Babylon zu treffen."

Weiter:

2Ein mit Wein beladenes Schiff kam aus Sippar an. Kauf mir davon für 10 sicles (ungefähr 80 Gramm) Silber: nimm die Lieferung für mich an und komm zu mir nach Babylon."

Der Wein blieb immer etwas Teures, Erlesenes. In später gefundenen Aufzeichnungen wird der Wein nach verschiedenen Kriterien wie Geschmack, Farbe, Stärke und Zusammensetzung unterschieden:

"Gereift, stark, süß (mit Honig gemischt), hell, rot," usw.

Vor allem im Norden Assyriens wurde später ebenfalls Weinanbau betrieben. Und wie im o.a. Festmahl des Assurnasirapal beschrieben, flossen dort bereits 10000 Schläuche Wein durch die durstigen Kehlen!

Das Bier als Grundnahrungsmittel hat der Wein nie ersetzen können. Noch Jahrhunderte nach dem Zusammensturz des Reiches kursierte in der griechischen Klatschpresse das Gerücht, Dionysos habe sich stets geweigert, sich bei den Babyloniern niederzulassen und sie in die Kunst des Weinanbaus einzuweihen, da sie unbelehrbare Biertrinker seien......

3. Mikels Frage:

wie soll man denn da abnehmen , seufz !
aber da ich eine profunde kennerin erkenne, eine frage :
ich hörte letzthin raol schrott lesen. unter anderem auch seine übersetzung dieser tafeln, samt dm ältesten liebesgedicht der welt und natürlich seiner gilgamesch-übertragung. was hälst du denn davon, er scheint heiss umstritten zu sein.

dir danke ich für diesen thread, ich lieb es solche dinge zu lesen.

ich muss doch öfter in verschiedenes nachsehen kommen.

Femis Antwort:
beziehst du dich auf Schrotts Gedichtsband mit einer Sammlung Gedichte aus 4000 Jahren?

Raoul Schrott gilt - obwohl mittlerweile mehrfach auzgezeichnet - bei Historikern wie bei Literaturwissenschaftlern als eingefleischter Dadaist wie bunter Schmetterling, teils gar als Enfant terrible oder Revoluzzer zwischen den Stühlen. Das mag daran liegen, dass er auf seinen vielen Reisen die historische wie die literarische Geschichte auf eindrucksvolle Art durchleuchtet. Ich mag seine Texte, nicht zuletzt auch seine tollen Übersetzungen irischer Gedichte.
Diese irre Vielfältigkeit wird ihm, wie ich finde zu Unrecht, zum Vorwurf gemacht, lässt ihn suspekt erscheinen.

Bei der Vorbereitung zu meinem Text habe ich mich aber von einer ganz anderen Ecke genähert: eben über altpersische Quellen zurück zu den akkadischen. Nach Durchforsten der Materialien der Yale Collection entschied ich mich, die Übersetzung aus der französischen Fassung zu erstellen, denn da weiß ich, wovon ich spreche, hm - schreibe..



12.06.05 @ 16:54
Ein sehr interessanter Text! Selten genug, dasz man auf etwas trifft, was nicht anderswo aus dem Web abgeschrieben ist. Ich habe von meinen Gewuerzseiten hierher verlinkt.

Wie kann man Naeheres ueber diesen Fund erfahren? Was weisz man ueber die sozialen Umstaende -- immerhin klingt das nicht wie die Kueche eines Fischers oder Ziegenhirten, sondern wie ein Handbuch fuer eine fuerstliche Groszkueche.

Gibt es auch eine Moeglichkeit, an die akkadischen/sumerischen Namen der einzelnen Gewuerze heranzukommen?
05.02.06 @ 13:32
Kommentar von: Eufemia Pursche [Mitglied] E-Mail
Hallo Herr Katzer,

falls Sie an weitergehenden Infos interessiert sind: auf den Seiten der Yale Babylonian Collection finden Sie eine Übersicht zum Thema.


http://www.library.yale.edu/libraries/babylonian.html


http://www.yale.edu/nelc/babylonian.html


deutsche online Quellen zum Alltag in Assyrien und Mesopotamien:

http://de.wikipedia.org/wiki/Assyrien
http://www.meinebibliothek.de/Texte/html/mesopotamien2.html


einige weitergehende Literaturhinweise

http://www.vaa.fak12.uni-muenchen.de/vapubl.html

Leider ist nach wie vor vieles nicht online nachrecherchierbar.

Vor allem aber empfehle ich die Werke von Jean Bottéro,
Direktor der l'École Pratique des Hautes Études (Assyrologie) in Paris; Veröffentlichungen zu Themen der antiken und orientalischen Religionsgeschichte

In meinem Text habe ich mich auf folgend Band bezogen:

Jean Bottéro
La plus vielle cuisine du monde
Éditions Louis Audibert, 2002
ISBN: 2-84749-000-0

Dort finden Sie auch zahlreiche Literaturverweise in englischer, französischer und deutscher Sprache.

Es wäre von Vorteil, etwas Französisch zu vertehen, um den Genuss des wunderbaren Schreibstils zu genießen.



05.02.06 @ 15:08
Kommentar von: Joe [Besucher]
Ausgezeichneter Text, weiter so!
22.03.08 @ 12:34

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