Grautag Lock In

von Michael Bauer E-Mail

Den ganzen Tag über waberte dieser ekelhafte Tiefnebel durch das Fabrikgelände und sog alle ungeraden Gerüche in sich auf, obwohl die Autobahn schon das Ihre getan hatte. Ich wollte wir hätten solch einen richtig dicken Nebel mit drei Metern Sichtweite. Darin kann mein Ich sich verstecken, bin nur Selbst und sonst nichts. Wie Watte umflort das wolkige Wasser mein Gehirn und seltsam erstarrt denke ich in Hochgeschwindigkeit. Eine Vision durchzuckt tosend mein Gehirn. In mitten der hektischen Arbeit, die nie aufhört auch des Nachts stehen die Frauen und Männer der Freischichten neben riesigen Feuern und braten einen Ochsen am Spieß, trinken die selbstgebrannten Schnäpse und heißen, nelkgewürzten Apfelwein, aber keine Sauflieder erklingen, sondern Händel und Bach. Unter den Mänteln und Mützen kann man kaum das Geschlecht ausmachen, niemand berührt sich und doch herrscht eine hocherotische Atmosphäre tiefen Verstehens. Das Opfer an die Mittagspause wird zelebriert und das „Mahlzeit“ hängt alleine in der Luft. Die Nebel verschwinden und machen diesem düsteren Grau Platz, das Gott, den es vielleicht gar nicht gibt, sei Dank der frühen Nacht weicht, die ihren Samt über alle rollt, die samen und sich nicht fürchten früchten.

wenn die Verse Nebel wabern

1 Kommentar

Kommentar von: vic [Besucher] · http://www.myblog.de/vicell
dein foto, lieber mikel, erinnert ein wenig an pablo casals.
ich bin fasziniert.
(nicht nur von dem foto, möchte ich anmerken)

es grüßt
die vic :)
19.11.04 @ 20:20

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