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von Eufemia Pursche
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gleichaltriges Kind. Und jetzt fand ich sie übergangslos als Mittvierzigerin wieder, als ob der Zahn der Zeit uns nur für einige Sekunden voneinander losgerissen hätte. Die Bedienung brachte ihnen allen Salatteller und Mineralwasser. Der Regisseur trank einen Kaffee nach dem anderen. Eine weitere Gruppe saß ein wenig abseits in Nähe der Terrasse: bestimmt die Techniker. Ich ließ mich vom Stimmengemurmel einlullen, und mein Blick heftete sich auf ein Gesicht das mir bekannt vorkam. Ein Blonder mit einer Hakennase und einem runden Kinn der Zigarillo rauchend an einem Einzeltisch saß. Woher kannte ich ihn? Wir waren nur einige Zentimeter voneinander entfernt, getrennt durch die Scheibe zwischen Restaurant und Schankraum. Nach einer Kopfbewegung bemerkte er mich ebenfalls. Augenblicklich erschien ein breites Lächeln auf seinem Gesicht. Er erhob sich und kam heraus zu mir an den Tresen.
- Verzeihung... Paul Meisbach....
Er sprach mit tiefer Raucherstimme. Aus der Nähe sah er aus wie Anfang fünfzig, trotz der leuchtend blauen Augen und der dichten blonden Tolle. Er beugte sich leicht vor und stützte die Hände auf den leeren Barhocker neben mir. Ich blieb stumm weil ich ihm meinen Namen nicht verraten wollte.
- Ich habe den Eindruck, dass wir uns kennen.
Er zog den Hocker näher an sich heran und nahm Platz.
- Dann muss das aber schon über zwanzig Jahre zurückliegen, antwortete ich. Solange war ich nämlich nicht mehr in Hamburg.
- Zwanzig Jahre?
- So ungefähr.
Tanz in den Mai
von Eufemia Pursche
Am Tag der Arbeit
Maibäume setzen
mit Parolen
auf den Bändern
Ein Strauß
Schlüsselwörter
duftet nach Maiglöckchen
Rausch-Wortsetzung 21
von Eufemia Pursche
Absurdes Theater
Zwischen dem Gemurmel erkannte er die Stimme seiner Frau Cora: „Es gibt keine Hoffnung mehr. Es ist zu spät. Die Ärzte haben ihn aufgegeben...“
Éluard öffnete die Augen. Das Zimmer war voller Menschen. Um das Bett versammelt alle Verwandten und Freunde um sich zu verabschieden. Cora posierte sich theatralisch inmitten des Raumes: „Wenn der Todesengel an die Türe klopft, ist nichts mehr zu machen. Er hatte gar nichts. Fühlte sich nicht krank, noch... diese Nacht noch...“
Éluard wunderte sich. Er verstand das seltsame Verhalten seiner Frau nicht. Er konnte noch so sehr in sich nachspüren – nirgends ein Todeszeichen. Er hatte keine Schmerzen und fühlte auch keinerlei Todeskampf. Es handelte sich sicher um eines dieser Spiele seiner Frau. Cora hatte dieses in Szene setzen angeleiert um ihm zu beweisen, dass „das, was für die Leute zählt, die Realität ist und nicht die Wahrheit.. Wenn die Wahrheit sich in der Realität nicht darstellt, nehmen die Menschen sie nicht ernst.“ Das hatte seine Frau trotz ihrer Meinungsverschiedenheit mehrfach unter Beweis gestellt. Diese Nacht noch hatten sie vor dem Schlafengehen eine ihrer fruchtlosen Diskussionen geführt. Das war es bestimmt. Seine Frau wollte ihm anhand von Tatsachen beweisen, dass die Wirklichkeit vor der Wahrheit den Sieg davonträgt. „Die Leute glauben das, was sie sehen.“
Aber wie war es Asle gelungen, in so kurzer Zeit den weiten Weg zurückzulegen? Warum zog Dr. Harr solch ein Gesicht? Er wollte seine Frau nach dem Grund dieser Komödie frage, doch in ihrem Blick lag ein solcher Glanz, dass er sich zurückhielt. Vielleicht war dies die Gelegenheit, ein für alle mal mit diesen absurden ewigen Streitgesprächen Schluss zu machen. Und sie leitete das Spiel derart souverän, dass er sich verleiten ließ, noch ein wenig daran teilzunehmen. Er war neugierig zu erfahren, wie sie das Schlusswort setzen würde. Éluard schloss die Augen und überließ sich dem Murmeln, das den Raum ausfüllte.
Ein peitschender Regen weckte ihn. Nur Dr. Harr schlummerte im Sessel am Fußende, ansonsten war niemand im Raum. Alles schien seltsam harmonisch. Der sanfte Lichtschein der Lampe, die beiden abgedunkelten Fenster, die feuchte Zimmerluft, die sich so gut mit Asles vertrautem Parfum und dem schlecht rasierten Gesicht von Elmar Harr vermischt hatte. Er fuhr mit seiner Hand über die Stirne. Ein unangenehmes Gefühl lief durch seine Finger. „Wie ist das möglich? Bestimmt ist irgend etwas passiert...“
Eine Welle der Unruhe durchquerte seinen Geist. Er wollte gerade nach Cora rufen, als sein Blick auf den Kerzenständer auf der Anrichte fiel. „Sie hat sogar die Kerzen angezündet...“
Bestürzt rief er den Doktor. Er wollte den Grund für seine Anwesenheit wissen und die der anderen in seinem Haus. Er konnte es nicht länger ertragen, Zeuge dieses idiotischen Spiels zu sein. „Das Affentheater hat lange genug gedauert.“
Er rief wieder, aber ohne Erfolg. So versuchte Éluard, aufzustehen und Elmar Harr wachzurütteln. Es gelang ihm nicht. Als wenn man ihn angekettet hätte. Nach einigen verzweifelten Versuchten gab er erschöpft auf. So entschloss er sich, zu warten, bis der Doktor erwachte, fixierte wieder die Kerzenflammen und überließ sich dem Gefühl, ferne Erinnerungen wiederzuleben die ihn überfluteten.
Es war, als sei es gestern gewesen. Er hatte diesen Kerzenständer gemeinsam mit Asle gekauft. Niemals würde er diesen Nachmittag vergessen. Ein Augenblick hatte genügt, um den zerstörerischen und idiotischen Zwang auszulösen, der von nun an sein Leben bestimmen sollte.
Asle hatte gefragt: „Wie kann ich deiner Liebe glauben?“
Er hatte ohne nachzudenken wie aus der Pistole geschossen geantwortet:
„Ich werde mich von dir fern halten und darunter mein ganzes Leben leiden.“
Genau das tat er.
Sein Leben ließ sich im Kummer zusammenfassen, den er sich selber aufgebürdet hatte. Er hatte oft daran gedacht, eine Kehrtwendung zu machen, aber es war ihm nicht gelungen. Eine geheimnisvolle Kraft hatte ihn daran gehindert. So hatte er selbst nach seiner Hochzeit mit Cora den Kerzenständer auf sein Bitten im Schlafzimmer auf der Anrichte stehen lassen um jede Nacht mit einem letzten Blick darauf in Gedanken an Asle einzuschlafen. Cora hatte nie dagegen opponiert.
Der Verzicht seiner Frau flößte ihm größten Respekt ein. Einen Respekt, der täglich wuchs, denn sie ertrug seine Anhänglichkeit an diesen Kerzenständer stumm. Aber ihr Schweigen bedeutete keineswegs Gleichgültigkeit. Er wusste sehr wohl, dass Cora darunter litt wie er die Wahrheit vor ihr verbarg. Trotzdem hatte er es nie geschafft, mit ihr darüber zu sprechen. Er fürchtete, danach der Freude beraubt zu werden, Asle sehen zu können.
Er hatte auch mit niemandem über den Groll gesprochen, den er Elmar Harr gegenüber empfand. Dabei hatte er ihn Asle selber vorgestellt. Doch seit Asles Heirat mit Coras Bruder verließ ihn nie dieses missgünstige Gefühl. Nur die Freude, Asle bei Familienfeiern oder während der Ferien sehen zu können, halfen ihm, die Aversionen gegen ihren Ehemann unter Kontrolle zu halten.
Éluard versuchte, sich umzudrehen. Aber er fand nicht mehr die Kraft dazu. Also blieb er in der gleichen Stellung liegen und ließ Asles Gesicht vor seinem Inneren erscheinen. Zug für Zug überließ er sich der Welle der Erinnerungen...
„Es ist zu spät.“, bedauerte Asle, als sie den Kerzenständer nach ihrer Hochzeit das erste Mal in seinem Zimmer sah. Er würde niemals diesen schmerzlichen Höhepunkt vergessen.
Doktor Harr erwachte und trat ans Bett: „Brauchst du etwas?“
„Was geht hier vor? Was macht ihr hier alle?“
„Cora hat uns gebeten vorbei zu kommen damit du nicht alleine bist.“
„Rufst du Cora bitte?“
Als er die Augen wieder öffnete, streichelte Cora seine Haare. Das Gesicht seiner Frau erschien ihm blass und schmal. Es spiegelte nichts von seinem gewöhnlichen Glanz und der Freude am Spiel wider, die er selbst aus kniffligsten Situationen kannte. Aber nun, da er seine Frau anschaute, begriff er zum ersten Mal, dass die Dinge ernster standen als er gedacht hatte. Er nahm ihre Hand und sagte sanft: „Was ist hier los? Was macht der Doktor hier?“
Cora bemühte sich, das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken. „Es war nur ein Spiel, aber...“ Sie brach in Tränen aus. Er versuchte, ihre Hand zu drücken, aber fand nicht mehr die Kraft dazu, sie zu trösten.
„Es ist also wahr?“
Ein blasses Lächeln zeichnete sich auf Coras Lippen ab. Sie war genau so ergriffen wie ihr Mann, doch bevor sie antworten konnte, fügte er hinzu: „Das war ein Scheißspiel. Ich dachte nicht, dass alles so absurd sein könnte. Es ist besser, mit gewissen Dingen nicht zu spielen. Jetzt...“
Asles Gegenwart breite sich in ihm aus. Sie war ins Zimmer getreten und löschte die Kerzen. Er warf einen Blick auf Cora. In der Dunkelheit hatte sich Asles zauberhaftes Lächeln auf Coras Lippen gelegt. Éluard spürte einen geheimen Schmerz in seiner Brust. Er stieß einen kurzer Seufzer aus und schloss die Augen. Cora holte ihren Bruder, der im Wohnzimmer wartete.
Der Doktor untersuchte ihn und wunderte sich:
„Man könnte sagen, er ist seit Jahren tot.“
Dann nahm er Coras Arm und führte sie hinaus.
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von Eufemia Pursche
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Desirée Written
Leider sind unsere Lieblinge Feinde, Trash Verlag, 2017.
Blaustrumpf Feminismus
Manchmal wirft man Schriftstellern vor, keinen Stil zu besitzen oder ihn zu vernachlässigen. Das ist zuweilen richtig. Anderen, so scheint es mir, müsste man das Gegenteil vorwerfen: sie haben ihren eigenen sofort wiedererkennbaren Stil, und sie hängen verbissen daran. Aber was dann?
Dies ist der Fall bei Desirée Written, deren kleine Musik zwischen allen herausklingt. Abklatsch in der Wortwahl, hechelnder Rhythmus in Sätzen und Parataxen. Ihr Stil hat sich um kein Komma geändert seit Erscheinen ihres ersten (und ausgezeichneten) Romans Die Abenteuer von Kitten Written und ihrem Liebhaber, erschienen 2009 im Verlag Esperanza.
Das Dumme daran ist die Tatsache, dass unter dem Zwang immer das gleiche Buch zu schreiben, Desirées Feder nach und nach ihre Substanz verlor und schließlich verkümmerte.
Ihr letztes kleines Werk, Leider sind unsere Lieblinge Feinde, ist ein krasses Beispiel: auf jeder Seite glaubt man, die Autorin autoparodiert sich selbst. Sowohl dem Stil als auch dem Inhalt nach bleibt sie Gefangene ihrer Ticks und vermag es nicht, dem Blaustrumpf Feminismus zu entsagen der ihren Erfolg begründete, sie heute aber im Stich lässt. Den drei Paaren, deren Portrait sie zeichnet, fehlt es ebenfalls an Tiefe. Es sind hastig hingeworfene Skizzen, unpräzise und ohne Profil, die man vergisst, sobald man die Seite umschlägt.
Darin liegt die Hauptgefahr in Desirée Writtens Werk: durch das Steckenbleiben im Alltäglichen (die Einkäufe, das plärrende Kind, das wartende schmutzige Geschirr) wurde sie selber banal. Was sie propagiert, ist längst überholt. Was sie erfindet, überrascht niemanden mehr.
Es bleibt natürlich die amüsante Satzmelodie.
Aber die Worte, Desirée?
Rausch Wortsetzung 20
von Eufemia Pursche
Novemberbaum
Schau den Baum vorübergehen. Sieh die grünen Haare. Raschelnd bewegt er einen Arm voller Blätter, eine zarte Hand die Winter zu pflücken. Langsam gleitet er durch die Mauer, formt Früchte um das Meer zu streicheln. Wenn Cora kommt, spricht der Wald. Sie glaubt, der Erinnerung des Sands zu lauschen. Schüchtern grüßt die alte Rinde, doch sie scheut deren bleiches Gesicht. Alles zieht sich zurück. Cora lässt die letzten Blätter fliegen. Der Baum wirft seinen Abschied hinüber. Für jede Ader schluchzt er sieben Sterne. Für einen Stern gab er seine Augen her und warf seine Wurzeln in den Fluss. Die letzten Schreie verlassen die Kehlen wenn die Vögel sich nicht mehr auf ihnen niederlassen. Nach und nach zerreißen die Herbste. Des Baumes Tochter breitet ihre nackten Arme aus und flüstert Worte die der Wind verschlingt.
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von Eufemia Pursche
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das stimmt, Euer Ehren, alles in allem wollen Sie sich ein Urteil von mir bilden. Ich möchte dabei nicht an Ihrer Stelle sein, denn – obwohl ich fast jede Nacht dabei bin – verstehe ich absolut nichts. Ich bleibe optisch gewiss der gleiche Daniel Frösche, 36 Jahre, geboren und wohnhaft in Astingen, Installateur. Aber gleichzeitig sehe ich mich vor meinem Spiegelschrank wenn im stärkeren Fixieren meine Augenfarbe wechselt und transparent wird. Durch diese Löcher sehe ich einen anderen Daniel Frösche das Zimmer verlassen. Da ist er nun im Garten, die Hände voller Sterne. Ich selbst habe mich nicht bewegt. Ich spüre, wie der andere zurückkommt, mir mein Körpergewicht wiedergibt, meinen gewohnten Blick und meine vertrauten Gewohnheiten. Ich putze mir die Zähne, rauche eine letzte Zigarette und gehe schlafen. Was hat Daniel Frösche, der sein Zimmer niemals verlassen hat, nun im Garten gemacht? Das ist doch die entscheidende Frage. Manchmal finde ich morgens Blumen auf meinem Nachttisch oder ein erwürgtes Huhn im Werkzeugschuppen. Sie können mir glauben, dass dies durchaus gemischte Gefühle in mir auslöst!
- Nun, Herr Frösche, Sie wollen also einen Teil Ihrer Handlungen auf eine Art Doppelgänger abwälzen?
- Also, dann sagen Sie mir, was ich Schlimmes verbrochen habe! Wenn ich ein Huhn finde, esse ich es spätestens am nächsten Tag.
- Das ist nicht das Problem. Menschen sind wegen Ihnen gestorben. Seit zwei Jahren eine Friseuse....
- Einwand, Euer Ehren, das heißt Friseurin.
- Wie auch immer! Dann zwei Säuglinge, und vor allem der ehrenwerte Herr von Lingen zu Reuth.
- Ich mache keine Unterschiede zwischen Herrn von Lingen zu Reuth und irgend jemand sonst. Jedem, der leidend zu mir kommt, gewähre ich meine Heilkräfte.
- Selbst, wenn sie zum Tode führen?
- Nicht so voreilig! Ich weise darauf hin, dass sie ohne mich viel schlimmer gestorben wären!
- Ihre Reputation als Magier wächst von Tag zu Tag, und der Wahrscheinlichkeitsrechnung nach damit auch die Anzahl Ihrer Opfer.
- Nicht meine, Herr Richter! Die des Schicksals! Daniel Frösche zieht das fatale Datum nur ein wenig vor.
- Das ist nicht die Ansicht der Ärzte, denen Sie die Patienten wegnehmen.
- Euer Ehren, ich empfange nur Privatpatienten gegen Barzahlung. Ich lege meine Hände den Verlassenen und Enttäuschten auf...
Der Richter überlegte übrigens seit einiger Zeit, ob er nicht Daniel Frösche wegen einer chronischen Bronchitis aufsuchen sollte, gegen die die behandelnden Ärzte noch kein wirksames Heilmittel...
Rausch-Wortsetzung
von Eufemia Pursche
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Selbstportrait
Mirko sah im Traum eine leichtfüßige zarte Gazelle die sich anmutig an seine Schulter schmiegte. Er hatte den Eindruck, dass der Jäger dieses Mal in seine eigene Falle getappt war.
Plötzlich schlug ich ihm vor, sein Gesicht zu malen, nicht der äußeren Erscheinung nach, sondern so, wie ich es fühlte. Mirko stimmte begeistert zu, begierig zu erfahren, wie eine solche Schönheit ihn empfinden und wahrnehmen würde.
Wir trafen uns im Atelier wieder. Er saß in der Nähe eines Fensters, und ich stand aufrecht hinter der Staffelei. Mit einem Stück Kohle in der Hand bereitete ich mich auf die Skizze vor. Obwohl ich ihn lange mit aufmerksamem Blick fixierte, begann ich nicht zu zeichnen, sondern erklärte ihm, dass ich seine Gesichtszüge an diesem Ort nicht einfangen könne. Es gab zu viel Licht, und bei dem Lärm konnte ich mich unmöglich konzentrieren. Wie sollte ich dem Bildhauer nebenan klarmachen, dass er nicht seine Statue bearbeitete, sondern meinen Kopf zerhämmerte...
„ Kommst du mit zu mir? Dort ist es ruhig, und ich kann dein Portrait einfangen wie ich es mir vorstelle. Nun komm schon, es dauert auch nicht lange.“
All das kam Mirko sehr seltsam vor, denn bisher hatte er noch nicht wirklich ihr Gesicht angeschaut. Auch im Taxi sah er hartnäckig nach draußen.
Dann fand er sich in einem abgedunkelten Schlafzimmer wieder. Ein Lichtstrahl fiel aus der verglasten Deckenkuppel schräg hinunter auf die andere Seite des Zimmers, mitten auf das Bett. Ich machte ihm ein Zeichen, sich dort hinzusetzen. Ohne etwas zu sagen, zog ich mein Kleid aus. Obwohl er sich redlich bemühte, glaubte Mirko seinen Augen nicht. Da er aber keineswegs schüchtern war, hob er den Kopf und folgte dem löchrigen Lichtstrahl. Er hörte, wie ich die Staffelei von der Wand hob und sie mitten im Zimmer vor ihm aufbaute. Er wartete auf meine Aufforderung: „Schau mich an.“ Ich öffnete gerade den Mund als ich seinen fassungslosen verzückten Blick wahrnahm, der meine Nacktheit bereits konturierte.
Hatten die Rollen gewechselt? Es war, als sei nun er der Maler und ich das Modell. Ein Rest Zurückhaltung lag in seinen Augen während ich wieder zur Zeichenkohle griff und ihn prüfend betrachtete. Dann ging ich zu ihm hinüber und schloss meine Augen.
Ich ließ meine Finger über sein Gesicht gleiten, da es mir nicht möglich war, ihn zu zeichnen bevor ich seinen Körper und seine Haut gefühlt hatte. Ich überließ mich ganz meinen Gefühlen, und Mirko wagte nicht, diese einzigartige Stimmung zu stören sondern spannte sich unter ihren Berührungen. Trotzdem glaubte er, irgend etwas sagen zu müssen. Er fühlte sich dermaßen wohl, dass er mich beinahe aufgefordert hätte, ihm den Kopf abzuschneiden, falls dies erforderlich sei. Da ihm nichts Vernünftiges einfiel, fragte er:
„ Würdest du bei einer Revolution mitmachen?“
„Jeder nimmt kontinuierlich an einer teil. Findest du nicht?“
„Bei der letzten schlief ich gerade mit der Frau eines Freundes.“
„Na, wenn das keine moralische Revolution ist!“
Mirko fragte sich, ob Cora sich lustig machte. Er wäre so gerne in der Lage gewesen, ihr die späteren gemeinsamen Jahre wie einen Film vorzuführen. So wie es ihm das Schreiben ermöglichte. Ihr, die just in diesem Augenblick frei und nackt inmitten des Zimmers herumspazierte alle die Jahre zu zeigen, die vergangen waren um ihr klar zu machen, wie sehr es ihn kränkte, nicht ernst genommen zu werden. Wenn er gelogen hätte, hätte es sie nicht einmal gegeben.
Einige Augenblicke später wurde mir, kurz nachdem ich mit der Zeichnung begonnen hatte, klar, dass ich das Portrait nicht ganz fertig stellen konnte. Ich begnügte mich damit, den Kopf zu zeichnen, ohne zu wissen, warum. Ich fühlte es eben genau so in diesem Moment. Und plötzlich fand ich, wonach ich suchte. Keine Sekunde später begann ich hinter der Staffelei das Katz- und Mausspiel.
Ich kämmte sein Antlitz. Wechselte vom Kohlestift zum Pinsel, suchte den Farbton, der seiner Haut am nächsten kam und mischte die Farben auf der Palette. Dann schuf ich seine Augen, seinen Blick.
Mirko wartete beunruhigt und ungeduldig auf das Ende. Er hatte Angst, Cora würde sein Gesicht zerstören. Er glaubte, es sei sein Fehler, wenn es ihr in nicht gelänge, den richtigen Strich oder den richtigen Ton zu finden. Vielleicht schaffte sie es nicht, eine Unebenheit in seinem Gesicht zu korrigieren. Er sah immer noch nicht, an welcher Seite sie gerade arbeitete. Jedesmal, wenn sie den Pinsel in der Farbe drehte, begannen Neugier und Angst in ihm zu streiten. Er hätte gerne einen Spiegel hinter ihr aufgebaut um dort den Fortgang auf der Leinwand zu verfolgen. Cora schien seine Ängstlichkeit in keinster Weise zu beachten. Sie knetete und massierte in Windeseile alle Farben auf ihrer Palette durch, bis sie zufrieden nickend die richtige Mischung mit dem Pinsel abhob. Er konnte ihre Hand nicht mehr erkennen. Ihr nackter Körper verbarg sich hinter der Staffelei vor seinem gemalten Gesicht. Mirko erkannte nur ihre Füße und die Konturen ihrer Schulter. Die Lichtsäule zerstreute sich diagonal und umhellte ihre übermütig lockenden Haare.
Als ich ihm das Bild zeigte, glaubte er zunächst, dass es noch nicht fertig war. Die Linien waren die seines Gesichtes, so wie er sie alle Tage im Spiegel wahrnahm, farblos, ohne hell-dunkel Kontrast. Mirko dachte, dass es später perfekt sein würde. Er hatte Angst, mir zu sagen, dass es ihm nicht glich und suchte nach den sanftesten Worte, mir dies mitzuteilen.
„Dies ist sicher ein vorläufiger Entwurf, den du später ausarbeiten wirst?“
„Für dich kann das Bild nur vorläufig sein, für mich ist es beendet. Nicht, dass es schon perfekt sei, weit gefehlt! Aber es schenkt deinem Blick bereits die Gesamtheit dessen, was du heute aufnehmen kannst. Du selber wirst es im Laufe der Zeit fertig stellen indem du es wieder und wieder betrachtest. Um richtig zu sehen, braucht es Zeit.“
Mirko erwachte. Das Bild hing ihm gegenüber an der Wand.
Seither versteht er, je häufiger er es anschaut, warum sie vor nun schon zwanzig Jahren ein dermaßen aktuelles Portrait schaffen konnte. Es gleicht ihm nicht, aber es ist vertraut und mit ihm verwachsen, reflektiert seine Charakterzüge. Das Bild sagt: „Das bin ich!“
Man kann es nicht beschreiben, kann es nur empfinden, das ich-weiß-nicht-was versteckt sich in meinen Augen: ein undefinierbares Licht in meinem Blick. Und ich akzeptiere ihn, denn es ist meine Seele die mich diesem Bild anschaut. Mein Schicksal, sie hat mein Schicksal gemalt, nicht mein Gesicht.
Sie war es, mit ihr verbrachte ich die Nacht der Revolution.
Federstrich
von Eufemia Pursche
Tritt nicht in das Blau
zwischen den Bäumen
flattert unbeweglich
ein Schmetterling
wartet im blinden Blattwerk
funkeln farbige Mysterien
auf dem Tisch die Stille
rivalisiert mit dem Fenster
im rechten Winkel
Federstrich an die Inspiration
Rausch-Wortsetzung
von Eufemia Pursche
-18-
Allerseelen
Dein Tod ist wie eine schwarze Insel inmitten eines Ozeans aus Licht. Keine Barke um zu dir zu gelangen. Müsste über Licht gehen können. Ob man das lernen kann? Ja, ich habe es gelernt.
Das Leben hast du in dem gefunden, was dich unterbrach, dich abschnitt, dich verletzte, dir widersprach. Dieses Leben sprach, als du es ihm verwehrtest, warf alle deine Pläne und Gedanken um und bot dir die Trauer an um dich selbst.
Gestern sah ich dein Grab. Nicht jenes, in das sie dich legten (das hab ich auch besucht), sondern das, welches du ohne Unterlass lächelnd verlässt. Gestern schlüpftest du für einen Augenblick in die gelben Herbstastern. Ein wenig später spürte ich dich in Gedanken auf der Autobahn im regenstreuenden Scheinwerferlicht. Und als ich die Haustür aufschloss, warst du schon da. In der Stille des ausklingenden Tages.
Du hast dieses Leben durchschritten ohne dass dich jemand aufhalten konnte. Und du fährst damit fort voller Elan. Du bist nicht in deinem Tod. Du ruhst nicht darin. Du durchquerst ihn und gehst weiter mit geöffneten Augen durch das Dunkel.
Ich mache nur wenig heute. Kleinigkeiten, die ich täglich tue. Ich hoffe auf ein Wunder. Es kam. Es kommt jeden Tag, manchmal in der allerletzten Sekunde – immer aus einer Richtung, die ich nicht mehr erhoffte.
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von Eufemia Pursche
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wirst weder Kirchen- noch Literaturpapst, auch kein Historiker. Schlag dir den Blödsinn aus dem Sinn. In zwanzig Jahren gibt es keine Priester mehr, die Geisteswissenschaftler werden alle arbeitslos sein oder in Underdogjobs schuften. Schriftsteller werden nur noch Restgrüppchen übriggebliebener Bridgedamen entzücken oder ihre Werke im Nirwana des Webs verglimmen sehen. Nein, aus dir machen wir einen richtigen Diplomaten. Du wirst Goethe oder so einen Quatsch auf Abendveranstaltungen rezitieren, zwischen Sportnews und der bevorstehenden Weinlese am Kaiserstuhl. Du wirst Botschafter wie Bohrer mit seiner Fielding, nur länger. Du gibst Pressekonferenzen vor der Crème de la Crème der Nachrichtenagenturen, die stolz darauf sein werden, dein Aftershave schnüffeln zu dürfen und deine wenn und aber Statements zu verbreiten. Du wirst dich Müller-von-irgend-was, oder noch besser, von-irgend-was-Müller nennen.
Ich werde mir in der Zwischenzeit mit zwielichtigen Geschäften einen Zutritt in den Untergrund verschaffen. Ich werde genauso unsichtbar im Untergrund agieren, wie du klassisch pompös. Du „das große Tier“, ich „die verdammte Seele“! Wir werden uns einige Jahre aus den Augen verlieren während du deine Auslandsjahre absolvierst. Ich werde inzwischen die Leiter der Macht emporklettern. Niemand wird sich vorstellen können, dass wir einmal gemeinsam die Schulbank gedrückt haben.
Thomas steht auf und läuft um das Sofa auf dem ich mich amüsiert herumräkele. Er versucht mir seine Zukunftserinnerungen zu verkaufen wie ein Chamäleon einen Antischuppenkamm. Er hebt geradezu ab.
- Und dann, mit vierzig Jahren, unterbreche ich ihn, treffen wir uns wie Spione, denen zwanzig Jahre einsamen Wartens nichts von ihrer, wenn auch absurd gewordenen, Loyalität genommen hat. Wie getrennte Liebende, für die die Treue eine im Kopf eingenistete Wette geworden ist. Oder wie Schachfiguren, die alleine gar nichts sind, zusammen aber eine unvergleichliche Konstellation bilden. Im gegebenen Moment wird einer dem anderen das mit Handschlag abgeschlossene Versprechen einlösen - mit der unverständlichen Großherzigkeit der Jugend. Ich werde dich in meinem Haus empfangen, dich zum König aller Überlebender des Untergrunds küren. Einfach so, wegen der Erhabenheit der Geste, um der Existenz einen Sinn zu verleihen den sie nicht hat, um aus ihr ein strahlendes Kunstwerk zu schaffen...
Rausch Wortsetzung
von Eufemia Pursche
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Frage des kleinen Rotkäppchens an den Wolf: „Oh, wie viele Seiten Sie schwärzen, warum schreiben Sie?“ Die Antwort des Wolfes: „Um dich zu sehen mein Kind, um dich besser zu sehen. Meine Nahrung liegt in diesem Blick. Und stell dir vor: je mehr ich dich anschaue, desto entzückter bin ich.“ Rotkäppchen, leicht geschmeichelt von dieser Koketterie: „Aber was habe ich denn so Wunderbares an mir? Es gibt Millionen Rotkäppchen, Wölfe und Großmütter auf der Welt. Was unterscheidet mich von ihnen?“ „Die alleinige Tatsache, dass du existierst, ist Ursprung deiner Noblesse, und dies trifft in gleichem Maße für die Millionen Rotkäppchen, Wölfe und Großmütter zu von denen du sprichst. Das Wundervollste ist das Existieren. Es gibt nichts anderes. Schreiben weitet die Sicht und mit ihr die Fähigkeit, sich an Lebendigem zu erfreuen. Am Leben, an jedem Lebenden. Verstehst du das?“ „Ja“, antwortete das kleine Rotkäppchen, das nichts verstanden hatte und wieder in den Wald zurückkehrte um zu spielen, Beeren zu sammeln, zu singen und am Fuße eines Baumes einzuschlafen, träumend, dass dies seine Art zu schreiben war und dass diese alles in allem der des Wolfes ebenbürtig war.
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von Eufemia Pursche
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er Babs traf, hat er doch seine ganze Freiheit verloren. Er lebt nur noch, um seine Familie zu ernähren. Steffen ist ein alter 68er, der heute nichts so sehr liebt wie ein ganzes Wochenende auf dem Sofa zu schmökern. Wie soll er ihr das nicht übel nehmen? – Aber Papa, Babs hat ihre Absichten doch nie versteckt! Sie wollte nichts als Kinder. Und er wusste das! Erinnere dich, als er mit ihr Schluss gemacht hatte, war er es, der nach ihrer Trennung von Karsten darauf bestand, einen Neuanfang zu wagen. – Karsten! Gut, dass du ihn erwähnst! Der hätte perfekt zu Babs gepasst. Er hat sie verlassen. Warum? Weil er mit ihrer leichten Art nicht klar kam. Wie kann sie Steffen gleich nach dem Bruch mit Karsten lieben? Ich bin noch von der alten Schule, ich kapiere eure Einstellung nicht. Ich glaube noch an Beständigkeit und Treue. Weißt du, was sie Steffen antut? Sie betrügt ihn unentwegt!
Ich halte die Klappe. Babs hat keinen einfachen Stand beim besten aller Anwälte...
Babs hatte ihren ersten Mann Werner für Steffen verlassen. Sechs Monate später verließ er sie ohne ihr zu sagen, warum. Sie wechselte Job und Stadt, traf Karsten und glaubte zum ersten Mal an eine einfache reine Liebe. Karsten, erfolgreich, sportlich wie sie, verzauberte sie gleich zu Beginn mit einem Urlaub unter Palmen. Dort gab er dem Ultimatum seiner Frau nach, kehrte Babs den Rücken und ins eheliche Nest zurück. Sie kam mit einer dunklen Sonnenbrille über den geschwollenen verweinten Augen nach Bremen zurück. Das Glück schien nicht für sie geschaffen. Die Tatsache, dass er Babs beinahe endgültig an einen Nebenbuhler verloren hätte, ließ Steffen schnell auf einen Neustart drängen. Verletzte Eitelkeit. Wie offensichtlich und wie billig!
„Wie soll er weiter Bock auf sie haben, wenn sie ihm jedes Mal ein Kind andreht!“ Diesmal übertrieb Papa nur minimal. Ich lachte. Babs Verlangen ist so groß, dass sie ihr Ziel auch gegen alle Widerstände
Rausch Wortsetzung
von Eufemia Pursche
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Schlaflosigkeit
Ich baue mein Nest in einem Satz Hölderlins, geschrieben am Ende seines Lebens: „Nichts ohne Flügel hat die Kraft, das zu erfassen was nahe liegt.“
Flügel, die die Wirklichkeit verleiht. Die Realität von Angesicht zu Angesicht. Manchmal sogar konform zu unseren Wünschen.
Stundenlang auf dem Bett liegen und die Bewegungen eines vom Wind bewegten Vorhangs betrachten. Was gibt es Besseres? Es ist eine Beschäftigung – wenn es denn eine ist. Ein wenig traurig oder zumindest melancholisch? Aber nein, überhaupt nicht! Eher das Gegenteil: diese Unbeweglichkeit des Körpers und das Zittern des Vorhangs formen eine der sichersten Figuren der Freude. In Anbetracht der Fülle dieser Stunden – ja, ja: Fülle – ist selbst das Schreiben fast zuviel.
Manchmal habe ich Lust zu erwachen wie es ein Kind drängt, seine Geschenke vor dem Fest zu öffnen.
Mirko ist ein vierblättriges Kleeblatt. Nahezu einzigartig, fast ein Wunder. Ich halte es bereits für ein Wunder, normale dreiblättrige Kleeblätter zu entdecken. Ich hänge an ihrer Schlichtheit im Banalen und an ihrer Vergänglichkeit.
ÉLUARDs Hang zum Träumen hatte seine Ursache in jahrelanger Schlaflosigkeit. Sein Geist erfuhr daraus eine Transformation und eine Umkehrung bis in die Grundfesten. Denn ein Mensch, der nachts nicht schläft, riskiert, während des Tages niemals ganz wach zu werden. Es passierte ihm also, mit geöffneten Augen zu schlafen und gleichzeitig seinen täglichen Beschäftigungen nachzugehen. Er bewegte sich in der Welt mit den Gesten eines Schwimmers und dem Schritt eines Schlafwandlers.Dies war eine ständige Gefahr für den Menschen im Alltag, doch für den Dichter bedeutete es einen beglückenden Zustand, da alle poetischen Kräfte sich ganz natürlich entfalteten. Éluard gehörte nicht zu jenen, denen dies entgegen kam. Er versuchte mit allen Mitteln, diesem „unwahrscheinlichen“ Leben zu entfliehen, selbst auf das Risiko, sein lyrisches Ich zu ersticken.
So schweigt und verurteilt nicht den Menschen, der die Wahrheit des Traumes trägt und erträgt....
Rausch Wortsetzung
von Eufemia Pursche
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Ein Elefant. Heute bin ich ein Elefant. Ein Elefant mit Flügeln. Genau das bin ich. Ein Elefant mit zwei winzigen Flügeln auf dem Rücken, genau zwischen den Schultern. Kaum größer als zwei Libellenflügel. Die meiste Zeit ruhen die Flügel. Wenn sie in Bewegung sind, verdrängen sie nur wenig Luft. Der Elefant wird nur einen Millimeter über den Boden gehoben – aber es reicht, um zu fliegen. Es reicht vollkommen....
Zehn Buschwindröschen an der Hecke, zehn Anemonen auf dem Schreibtisch: zwanzig Liebesbriefe.
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von Eufemia Pursche
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schien mir, als ob uns etwas bedrohte. Kam das von der Gewitterschwüle die seit Stunden über der Stadt lag? Von der aufkeimenden Müdigkeit nach dem gemeinsamen üppigen Essen oder von zu vielen gelöschten Träumen?
Manfred schlug vor, unser gemeinsames Treffen mit einem besonderen Tropfen abzuschließen. So holte ich im Flur den Kellerschlüssel. Als ich die Tür schloss, rief mir Norbert hinterher, dass sie sich inzwischen um den Grappa kümmern würden.
Unsere Wohnung liegt in der vierten Etage. Jürgen und ich haben sie gemeinsam ausgesucht, ich wegen der Nähe zum Büro und Jürgen wegen des riesigen Gewölbekellers der zur Wohnung gehört. Als ich die Treppe herunterging, verfolgte mich das immer leiser werden Lachen der Freunde.
Im Kellerflur funktionierte das Licht nicht. Ich tastete mich an der Wand entlang bis zur Tür, fühlte das Schloss und steckte den Schlüssel hinein. Als ich den Raum betrat, umhüllte mich beruhigend der bekannte Duft aus feuchtem Stein und Salpeter. Mit den Händen fuhr ich die Regalreihen entlang. Ich kenne jedes Plätzchen, erkenne nahezu blind die gesammelten Schätze großer Crus. Meine Finger spürten die unterschiedlichen Flaschenformen auf; ich spazierte durch französische, italienische, einige spanische und wenige deutsche Lagen. Nach und nach verflüchtigte sich das eiskalte Gefühl das mich vorhin grundlos überfallen hatte. Mit geschlossenen Augen überließ ich mich dem leichten Schaukeln meines Schwipses. Zwischen zwei Regalreihen im hinteren Teil des Kellers lasse ich immer eine freie Stelle für besondere Schätze, die ich irgendwann zu ergattern hoffe. Ein kleiner Altar, ein Tabernakel. Genau dort stieß meine Hand unerwarteterweise auf ein Hindernis. Aus Wolle, wahrscheinlich eine Strickjacke oder einen Pullover wie ich ihn trug. Ich fühlte den wachsenden Knoten im Hals, mein Körper wurde steif vor Angst, während meine Finger an dem Ding entlangglitten, was ein Ärmel zu sein schien. Sie wurden fündig. Am Ende fanden sie, was normalerweise aus einem Ärmelrand schaut: eine Hand.
Und wenn zarte Tupfer Aquarell .....
von Eufemia Pursche
Und wenn ich euch sage
Der Weg aus Erde über den ich ging
Besaß die Rosenfarbe Florentinischer Paläste!
Und wenn ich euch sage
Dass im Garten durch den der Weg sich schlängelt
Zwei niedrige Gebäude standen, aus goldfarbenem Stein
Und dass ihre Arkaden an die Stille erinnern
Eines Klosters aus romanischer Zeit
Und wenn ich euch sage
Der Himmel über mir war blau
Von diesem besonderen Blau
Das der Himmel Roms trägt im Monat Mai
Und wenn ich euch sage
Die Stiefmütterchen und Kirschbäume blühten bereits
Und die Trauerweiden trieben Knospen
Die den Träumern bald Schatten spenden!
Wenn ich euch all das sage............
Hört ihr dann zwischen meinen Worten den Klang
Der kleinen Glocke des Klarissenklosters, gleich nebenan?
Spürt ihr auf eurer Haut das zarte Kosen der milden Sonne
Seht ihr in diesen Gärten die verschlungenen Hände
Der beiden Liebenden in ihrem letzten Frühling?
Dann atme es ein, mein Herz
Damit es euch all dies zeigen wird
Rausch-Wortsetzung 14
von Eufemia Pursche
14
Fragen. Was ist ein „schönes Wort“? Ein SCHÖNWORT zersägt die Gitterstäbe des Wörterbuchs, flüchtet und spricht. Nicht von der Welt die draußen ihre Schuhkartons stapelt, sondern von einer anderen, entschwunden ins Innerste der Nacht. Die Rede des SCHÖNWORTS ist nicht wahrnehmbar. Ich höre sie.
Schnee ist ein SCHÖNWORT. Es stellt die Frage: „Wer bin ich?“
Da bist du, leichter Schnee, erstgeborene Schwester, kamst zur Welt weit vor der Zeit. Du ruhst auf orangen Häuserdächern, schmilzt beim Berühren der schwarzen Straßen. Die Kinder in der Schule werden ganz zerstreut sein heute Morgen, ich betrachte dich mit ihren Augen und grüße dich in ihrem Namen. Deine Stille und deine Weiße passen sich perfekt ihrem Lachen und allen Farben des Universums an.
An manchen Tagen, in manchen Stunden fühle ich mich mutlos. Dich zu sehen ist Hoffnung tanken.
Federstrich
von Eufemia Pursche
Farben gekehrt in Schnee
Auf rabenverwüstetem Land
Beißt der Hund eine Wolke
Ein Vers verlässt das Wäldchen
Und streift den Lederhimmel
Federstrichschelme
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von Eufemia Pursche
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schloss der Professor seine Vorlesung ab.
„Wir haben unser Augenmerk auf das Funktionieren des Denkens gelegt: ein subtiles Gebäude aus Stimulation und Reaktion. Empfangen und übertragen quer durch den ganzen Organismus mittels chemischer und elektronischer Botschaften vom zentralen Nervensystem (dem Gehirn). Alles ist also Materie. Und es gibt keinen Platz mehr, um von Geist zu sprechen.“
Hm, wenn ich das recht verstehe, ist Geist also ein Sichtbarmachen von Materie.
Um den Gegensatz Materie des Geistes und Geist der Materie auf den Punkt zu bringen, empfiehlt sich besonders die englische Sprache mit dem altbekannten Beispiel:
What is the matter? – Never mind. – What is mind? – No matter.
Das lässt sich mindestens auf zweierlei Art übersetzen:
Was ist Materie? – Auf keinen Fall Geist. – Was ist Geist? – Keine Materie.
Oder aber:
Was ist das Problem? – Keine Idee. – Was ist die Idee? – Kein Problem...
Beliebig fortzusetzen...
Man erzählt, dass die amerikanische Schrifstellerin Gertrude Stein auf dem Totenbett fragte: „Was ist die Antwort?“ Als niemand der Umstehenden antwortete, fragte sie: „Nun, was ist dann die Frage?“ Schweigen im Walde. No feedback at all. Da entschloss sie sich, zu sterben.
Wer mich sucht, wird mich finden, aber er wird weitersuchen müssen.
Federstrich
von Eufemia Pursche
Dies kann kein Gedicht sein
Denn alle Sprache ist real
Während ich nur Körper bin
Eingeschlossen in deinen Atem
Lautloser Federstrich
Rausch Wortsetzung
von Eufemia Pursche
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Alles kann das Schreiben zum Vorschein bringen. Ein Verlust, eine Freude, chinesische Schattenspiele der Erinnerung, frostgehauchter Atem, der Trojanische Krieg, Mimosenduft. Aber das wirkliche Thema der Bücher, ihr einziges, ist der Leser im Augenblick da er liest. Wenn er aus der Fassung gerät über seine Lektüre wie ein Treffen des Ich mit dem Ich.
Es ist unmöglich, über Gott zu sprechen ohne gleichzeitig ein Haufen der unwahrscheinlichsten Dummheiten vom Stapel zu lassen. Ich kann nichts über Gott sagen, ich kann nur mit ihm sprechen, aus ihm. Wenn dieser Satz verrückt oder eingebildet klingt, verstehst du ihn besser, wenn du das Wort Gott durch das Wort Liebe ersetzt. Es ist unmöglich, über die Liebe zu sprechen ohne gleichzeitig einen Haufen Unsinn zu verzapfen. Du vermagst nichts über die Liebe zu sagen, du kannst nur mit ihr sprechen oder aus ihr.
Atme
von Eufemia Pursche
Atme
Gegen mein Herz
Damit ich dich leben höre
Atme
Alle Sekunden
Meiner Stunden ein
Poche
Tief in mir
Wie auf dem Grund
Eines trunkenen Schiffs
Rezitiere
Die Worte
Die ich nicht weiß
Flute
Ein Meer
Aus jedem Augenblick
Schenke mir
Deine Wärme
Für Jahrhunderte
Einen Augenblick
Zerreiße
Den Vorhang des Horizonts
Erschaffe aus jeder Nacht
Ein neues Land
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von Eufemia Pursche
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kam, fand ich die Wohnung nahezu leer vor. Till hatte die meisten Möbel mitgehen lassen. Ich besaß kein Bett mehr, keine Töpfe, kein Duschgel, kein Danach. Es blieb mir die verstörte Katze. Ihr verängstigtes Miauen erfüllte den hohlen Raum nur spärlich. Ich nahm sie auf den Arm, und sie zerkratzte mir den linken Busen. Nun, da das Herz eh schon blutete... Es gibt halt solche Tage.
Aber das Wichtigste war noch nicht verloren. Ich fand ein Glas, Eiswürfel im Kühlschrank und einen Rest von Tills Whiskey im Stil guter alter Westernfilme. Ich setzte mich auf den Boden und fasste meine Lage zusammen. Das Gute an Trennungen ist das reinen Tisch machen. Man kann sich selbst auf den Punkt bringen. Ich habe mich also ganz schön auf den Punkt gebracht und schlief dann irgendwann in der Mitte ein. Das Telefon weckte mich aus einem Miss Marple Traum. Es war Benno. Tausendprozentige Versprechen, ewige Schwüre. Mein Ohr hing an seinen Lippen. Da kappte er die Leitung dazwischen. Aber das Wichtigste war noch nicht verloren. Ich fand ein Glas (immer noch das gleiche).... Wieder zum Anfang des Absatzes. Leider.
Ich hasse die unverletzlichen Typen. Ich habe nur Respekt vor den Loosern, jenen, die mit Laufmasche oder offenem Hosenstall auf einer Snobgala erscheinen, denen weiße Taubenkacke auf den Kopf fällt, wenn sie sich umarmen. Die jeden Morgen auf Hundescheiße ausrutschen. Der Lächerliche ist der wahre Mensch. Ich gehe sogar noch weiter: Das einzige Mittel zu wissen, ob man existiert, besteht darin, grotesk zu werden. Das sind die grauen Zellen des modernen Menschen. Ridiculo ergo sum. Ähm, ich werde mir meiner Existenz sehr oft gewahr...
Rausch Wortsetzung
von Eufemia Pursche
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Cora träumt: Ein Bad in Champagner und auf den Perlen schwimmen Austern...
Nein, das kann ich nicht schreiben. Bei Austern schüttelt es selbst die Hand auf der Tremortastatur. Und vom Champagner reicht mir das Eintauchen der Zunge, müde, müde, müd, mü, mmm.........
Ich biete ihr ein warmes Cappuccinobad mit Amarettiniflöckchen als Erfrischung.
Finden
von Eufemia Pursche

Finden
Ich schlief zwischen zwei Gärten
Und träumte farbige Träume
Ich versteckte mich zwischen zwei Sternen
Und pflückte die Geheimnisse der Nacht
Ich schlenderte zwischen zwei Bächen
Und Wasser und Wellen wurden meine Freunde
Ich gesellte mich zu zwei Liebenden
Und fand die Liebe zu dir und mir
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von Eufemia Pursche
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mich anziehen. Die Büroklamotten. Ich habe niemals verstanden, warum ich nicht in Nachthemd oder Schlafanzug zur Arbeit kommen darf. Das bleibt eines der großen Geheimnisse. Würde es die Arbeit beeinträchtigen? Mitnichten, meine Damen und Herren! Nun? Ganz einfach – es könnte uns klarmachen, dass wir uns mitten in einem Albtraum befinden.
Ich zwänge mich in meinen Anzug. Die Krawatte ist die Schleife des Geschenkpäckchens, das ich täglich dem Weltkapitalismus schenke. Das ist sehr frustrierend weil ich ein Geschenk bin, das niemand auspackt. Sie sehen die Verpackung; das reicht ihnen. Wer ich bin, damit haben sie nichts zu schaffen. Natürlich bin ich jemand, aber niemand, der an der Schleife zieht um seine wahre Natur zu zeigen. Als Kind hatte ich noch andere Ticks.
Ich fahre mit der Hand über meinen Schädel. Eh, ich habe meine Haare vergessen; die Finger gleiten nur über glatte, leicht flaumige Haut. Zum Arbeiten trage ich eine Perücke. Nicht, dass ich kahl wäre. Nein, ich habe keine Glatze, aber da kein Schaum, kein Gel meine Stacheln bändigen konnte, habe ich mich zur Radikalmethode entschlossen und mir die Haare abrasiert. Mit meinem Fifi habe ich nun eine makellose, leicht gewellte Frisur. Die Perücke hat außerdem den Vorteil, jegliches Risiko an Schuppen, grauen oder weißen Haaren auszuschließen.
Auch jede physische Ausdünstung ist strengstens verpönt. Der leichteste Schweißgeruch wird selbst im Hochsommer als subversive Demonstration angesehen; genau so gut könnte ich umwickelt mit einer blutroten Fahne und mit einem elektrischen Messer zwischen den Zähnen zur Arbeit gehen. Mit leichtem Druck fixiere ich die Perücke, schüttele den Kopf – ja, sie hält. Dann greife ich zu meiner Brille. Meine Sehkraft ist vollkommen in Ordnung, die Brille erhöht meinen Tick. Superman verkleidet als Versicherungsvertreter. Außerdem könnte ich es nicht ertragen, mich in der physisch und psychisch feindseligen Umgebung meiner Agentur zu sehen. Natürlich hätte ich auch Fensterglas in die Fassung einarbeiten lassen können, doch mit den leichte Fehlsicht korrigierenden Gläsern bin ich bestens geschützt. Alles im Büro ist leicht verschwommen. Gesichter erkenne ich, aber es bleibt ein Film, wie auf einem Bildschirm, zwischen ihnen und mir. Mein Tick, das ist mein Raumanzug um arbeiten zu gehen. Meine Perücke der Helm, die Brille dessen Sichtschutz aus extrem gehärteten Plexiglas. Undurchdringlich selbst für Meteoriten. Der gestreifte Armani Anzug ist mein NASA Outfit, doppelt mit Aluminium gefüttert und isoliert. Die italienischen Schuhe meine Moonboots, völlig undurchdringlich gegenüber kosmischen Strahlen. „Houston? Ich bin bereit für die intersoziale Leere.“
Veraltet?
von Eufemia Pursche
Zu ahnen warum
In uns diese Zärtlichkeit
Beim ersten Austausch
Und immer diese Traurigkeit
In den letzten Briefen steckt
Wie oft haben wir sie gut verschlüsselt
Einander zugeschickt, das Web für uns vernetzt?
Ich kann nicht umhin
Einen zärtlichen Gedanken zu hegen
Für all diese Botschaften
Rund um die Erde geschickt
Die schwebend im All ihre Bahnen ziehen
Winzige Punkte, kleine Striche im Äther
Wie gerne schickte ich dir Briefe
Mit goldener Feder gemalt
Wie in vergangenen Zeiten
Nähe
von Eufemia Pursche
Sag niemals ja zu meiner Nähe
Weil du nein zu einer anderen sagst
Lass ja nur ja sein
Und nein nur nein
Fülle niemals aus meiner Fülle
Die Leere deines Seins
Lass Fülle sich füllen
Und Leere sich leeren
Empfinde niemals das Band unserer Herzen
Als Kette oder Fessel deiner Freiheit
Atme die Freiheit in meiner Nähe
Und nimm dir die Freiheit, meine Nähe zu suchen
Und lass mir die Freiheit, mich nie freier zu fühlen
Als in deiner Nähe, wie nah sie auch sei
Rausch Wortsetzung
von Eufemia Pursche
-11-
Der Schlaf nimmt mich nicht mehr in die Arme wie einen Freund den man nach einer langen Reise wiedersieht. Ich habe ihm nichts mehr zu sagen. Er betrachtet mich nur misstrauisch und lässt mich dann links liegen. Die Nacht wird zur Dornenkugel.
Den ganzen Tag schrie meine Urteilskraft. Sie schrie im Schlafzimmer, in der Küche, auf der Straße. Sie schrie und schlug alles kurz und klein. Also schluckte ich einen doppelten Cognac, einen zweiten und dann ein Wasserglas Grappa. Meine Aufgewühltheit verlor sich im Gluckgluck und kehrte um.
Ich erwache mit einem Bleigewicht auf den Lidern. Darunter tauchen Mirko und Éluard aus dem Nebel auf. Nebeneinander versunken schlendern sie den Weg hinunter.
Zwischen den Schwaden Mirkos warme Stimme:
„Sie ist so sanft, und trotzdem liebe ich ihre Wildheit einer Wölfin. Ihr Herz ist zärtlich wie leuchtende Mohnblumen die sich mit einem Zweig blauen Himmels unterhalten. Das Gute in ihr ist kein Ausliefern. Sie versteht es, wenn es sein muss, Gewitter zu verteilen und mit blanken Zähnen zuzubeißen. Ihr schallendes Lachen klatscht auf die Wangen jener die ihren Kleingeist hinter einer grauen Maske verbergen als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Wenn es niemand gelungen ist, dir einen einzigen Fluch gegen das Leben zu entlocken, bist du unwiederbringlich gestorben mit dem was die Dummköpfe ‚die Ordnung der Dinge’ nennen. Darauf besteht sie vehement und fügt mit glühenden Augen zu: ich bin glücklich und unglücklich, aufbrausend und geduldig, präzise und zerstreut, ich ertränke mich und singe – außer Frage, mich für einen schönen Augenaufschlag von wem auch immer zu ändern.
Das ist Cora. Das Leben ist ihre Amme. Sie leiht sich seine Kleider und gibt sie dir unverhofft zurück.“




08.05.05 18:46:08,