Mum-goes-blog goes barcodes

von Eufemia Pursche E-Mail

Hör auf zu motzen, immerhin bin ich wieder da. Eure Mum-goes-blog war on Tour in Sachen soziomorphologische Studien. Mit anderen Worten, ich habe mein klass. Lit. Diplom in den Spam-Ordner (früher Krimskramsschublade) der Dielenkommode gepackt und bin unter die Pieper gegangen. Piep wie Barcode scannen, nicht wie peep! Ob ich einen Vogel habe? Vielleicht. Was hätte mich sonst dazu treiben können, mich im Megasupermarkt an die Kasse zu setzen?
Das Vorstellungsgespräch dauerte sieben Minuten. Begrüßung, Wiederholung des Lebenslaufs, Bankverbindung. Das war’s. Psychologische Tests? Kopfrechnen? Warum nicht gleich ein graphologisches Gutachten? Ich bin kein Notar, sondern Kassiererin! Kassen-Hostess Mum-goes-blog!

Bereits am ersten Tag hämmerten mir die Kunden die Top 3 Fragen ein:

- Wo ist die Kundentoilette?
- Haben Sie keine Tüten mehr?
- Sind Sie frei?

Beispiele gefällig?

Die dringendste Frage: Wo sind die Toiletten?

Kunde braust angenervt heran: Wo ist das Klo?
Kassiererin vergisst einen Augenblick, dass sie gerade mit einem anderen Kunden spricht: Guten Tag!
Kunde schaut verkniffen.
Kassiererin seufzt innerlich: Dort hinten.
Sie deutet auf das Schild mit dem dicken leuchtenden Pfeil „Toiletten“ direkt über der Kasse. Der Kunde macht sich eilig vom Acker. Natürlich ohne danke und auf Wiedersehen. Das wäre auch zu lang, wenn es pressiert.

Die aggressivste Frage: Haben Sie keine Tüte?

Es war die große Umweltrevolution des neuen Jahrtausends. Der Wegfall der kostenlosen Plastiktüten in den großen Kaufhäusern. Das führt immer noch zu Irritationen bei einigen Kunden.

Kassiererin hat die drei Artikel gescannt: 3,27 Euro, bitte.
Kunde zahlt mit Karte. Er hat kein Bargeld.
Kunde sucht nach Verpackung um seine bereits eingeschweißten Tomaten, Äpfel den Salat zu verstauen: Haben Sie keine Tüte?
Kassiererin, zum 20sten Mal in drei Stunden: Unser Supermarkt verzichtet auf Plastiktüten. Sie können einen Karton auf der Packfläche hinter Ihnen nutzen oder eine recyclebare Tüte für 20 Cent kaufen.
Kunde mit Schaum vor dem Mund: Konnten Sie mir das nicht vor dem Bezahlen sagen?
Kassiererin seufzt mal wieder innerlich: Tut mir Leid. Wir geben seit 4 Jahren schon keine Gratistüten mehr aus. Kassiererin lächelt. Warum nehmen Sie die Sachen nicht so mit? Sie sind doch schon verpackt.
Kunde schnappt sich außer sich vor Wut den Salat und die Äpfel. Die Tomaten lässt er zurück. Der Arme hat ja nur zwei Hände.


Die nervigste Frage: Sind Sie frei?

Kunde: Sind Sie frei?
Die freundliche Kassiererin: Ich nicht. Meine Kasse schon.
Die sarkastische Kassiererin: Piiiep!
Wenn der Kunde sehr schnuckelig ist: Möchten Sie Ihr Glück versuchen?
Die Kassiererin mit ihrem schönsten Lächeln: Und Sie?

Variationen und Interpretationen erwünscht.

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