Mum-goes-blog hat schwere Knochen
von Eufemia Pursche
Letzte Woche waren Rundungen der letzte Schrei.
Das erklärte zumindest ein Hype-Magazin und versicherte: „Wampe wagen!“ und „Seid stolz auf eurer Hüftgold und eure Rettungsringe!“ Um die Slogans zu unterstreichen, präsentierten einige Starlets 50 Gramm Übergewicht – 25g auf jeder Popohälfte. Leider war das nur eine trügerische Mode, denn nur zehn Seiten weiter zeigten sich die Top-Models wieder mit Normalgewicht. Also ungefähr 13 Kilo bei einer Größe von 1,78m.
Na, denn mal auf ins Gefecht! Ich muss zusehen, wie ich „mein Kilo“ loswerde. „Mein Kilo“ ist übrigens eine Metapher. Ich habe VIER Kilos zugenommen. Damit wir uns recht verstehen: die ersten drei sind offizielle Kilos, die ich freiwillig angefuttert habe. Vorwiegend mit Lebensmitteln, die für ein Überleben im Polarklima geeignet sind: Kartoffelauflauf mit Käse überbacken, Ölsardinen, Maronenkuchen. Das letzte kleine Kilo nervt. Es war nicht vorgesehen, auch nicht, dass es sich um die Taille einnistet. Ich habe den Polaraspekt des Klimas wohl überschätzt. Vielleicht waren die Ölsardinen nicht nötig solange die Ausgehpläne Kneipe oder Büro bedeuten.
Ich weiß genau, was es zum Abspecken braucht: eine gesunde Lebensführung, wie das so nett heißt. Aber das macht mir keinen Spaß. Und wenn mir etwas nicht gefällt, nehme ich zu. Früher, als man noch auf Diäten setzte, konnte frau alle möglichen seltsamen Methoden ausprobieren. Das war wesentlich unterhaltsamer. Die „Grapefruit-Woche“ klappte 1A! Etwas sauer vielleicht, denn nach sechs Grapefruits zog sich das Wangeninnere angstvoll zusammen. Die sympathischste war die Atkins Diät. Null Gemüse, null Obst, nur Fleisch, Schinken, Wurst, Eier, Majo bis zum Abwinken. Die Kilos purzelten gleichermaßen wie der Cholesterinspiegel stieg. Eine ausgeglichene Sache also irgendwie. Besonders in den USA, wo bacon KULT ist, stiegen die Anhänger auf 10 Millionen (nach FBI* Aussage, ähm - *Food-Bacon-Inspectors) bzw. 30 Millionen nach Angabe der Organisatoren. Die radikalste ist aber die verdorbene Auster Diät. Nach zügigem Abnehmen (einige Stunden auf dem stillen Örtchen) steigen die Teilnehmer freiwillig auf Reis mit Eisenkraut um. Das Ganze ist aber keine wirkliche Diät sondern eher ein Lotteriespiel. Die meisten Austern passieren den Verdauungstrakt ohne Kollateralschäden auszulösen.
Klar gibt es auch Sport. Aber da halte ich es mit Churchill, der auf die Frage nach seiner Topform bemerkte: „Ich mache niemals Sport.“ Auch ich mache keinen Sport, abgesehen vom Coucherklimmen mit Knabbertablett. Vielleicht sollte ich mich mit einer Freundin im Fitness Studio anmelden. Dann kann die eine die andere antreiben, wenn die Lust nachlässt. Das funktioniert auch prima ein-zwei-mal. Danach hat der Dackel Lähmungserscheinungen, der Babysitter an Migräne erkrankt, der Job zu Überstunden belastet, der neue Freund zu zeitraubend, ein Wasserschaden erster Güte… Dann passiert das Wunder: ein geschlabberter Termin und hopp, die Adresse des Studios ist wie von Geisterhand gelöscht. Ein Schnäppchen für nur 760 EURO Jahresgebühr. Da kann ich billiger alleine den Staubsauger durch die Wohnung jagen. Bringt 15 Kalorien die Stunde. Ein Hämchen mit Sauerkraut ist also in fünf Tagen abgesaugt.
So, fassen wir mal zusammen. Lohnt es sich wirklich, sich das Leben für ein Kilo oder auch für vier zu vermiesen? Ich habe eben schwere Knochen. Und die ab- und zugenommenen Kilos in einem Leben summieren sich leicht zu einer Tonne, wenn du nicht aufpasst. Da passe ich doch lieber die nächste Hitzewelle ab um in Ruhe das berühmte Kilo zu verlieren. Einfach mit Tomaten und Basilikum mit gutem Olivenöl und anschließend ein Eis. Denn Sommer ist Eiszeit, oder?

26.06.07 23:20:51,