Pyjamaparty 4
von Eufemia Pursche
Mir fiel auf, dass Ruth nachdenklich und ein wenig zerstreut wirkte. „Was ist los, Süße?“
Ruth (biss sich auf die Lippen): „Tja, ich muss euch was sagen … Jonas, kann ich eine Zigarette haben?“
„Seit wann rauchst du?“
„Eigentlich schon immer. Ich habe nur aufgehört, als die Kinder kamen.“
Lea: „Kann ich auch eine haben? Ich habe vergessen, welche einzustecken.“
Ruth zog heftig an ihrem Glimmstängel und ließ den Qualm aus ihren Nasenlöchern ins Freie.
Ich, ungeduldig: „ Nun spanne uns nicht auf die Folter. Was ist los?“
Ruth: „Ich bin schwanger, sogar doppelschwanger und erwarte Zwillinge.“
Ich: „WAS?“
Diana konnte nicht an sich halten: „Hiiiiiiiiiiiiiii, jetzt dämmert es mir! Du hast doch beim letzten Treffen schon auf deine Regel gewartet und warst wegen der Verzögerung sogar bei deiner Hellseherin. Hatte sie dir nicht mitgeteilt, es gäbe keinen Grund zur Besorgnis?“
Ruth zog verlegen eine Braue nach oben: „Ja, sie hatte ja nicht Unrecht. Mit der Verzögerung der Regel, meine ich. Wollt ihr jetzt den ganzen Abend über Ovulation, Tampons und Sperma sprechen? Stört mich kein bisschen! Ich gehe dann nur nach nebenan und weihe Dianas neue Spielekonsole ein.“
Ich wandte mich verblüfft an unsere Gastgeberin: „ Du besitzt eine Spielekonsole?“
Diana zuckte mit den Schultern: „ Na und? Damit fülle ich einsame Nächte. Bleib hier, Philipp. Hier hast du die einzigartige Chance, gynäkologischen Klatsch vom Feinsten zu lauschen. Manche Männer würden sich für so ein Privileg umbringen.“
Philipp: „Manche Männer werden sich umbringen, nachdem sie so was gehört haben.“
Ich, an Ruth: „Wie nimmst du die Schwangerschaft auf? Wolltest du nicht nach dem dritten Kind aufhören? Bist du nicht sauer auf deine Hellseherin Madame Etoile, die anscheinend den Durchblick verloren hat? Hättest du nicht besser einen Schwangerschaftstest gemacht?“
Ruth, äußerst schlechter Laune: „Lass bloß Madame Etoile in Ruhe! Sie ist eine fantastische Frau mit einer außergewöhnlichen Gabe. Meine Urgroßtante hat sie daran gehindert, mir von der Schwangerschaft zu erzählen. Die kosmische Ordnung wäre gefährdet gewesen, wenn sie mir etwas erzählt hätte. Die arme Etoile musste schweigen, auch auf die Gefahr hin, ihre Reputation zu verlieren. Auf alle Fälle waren meine Chakren offen für diese beiden kleinen Seelen. Das hat Madame Etoile vorausgesehen. Ich habe nur Angst vor der vielen Arbeit.“
Diana: „Und was wird’s? Mädchen oder Jungen?“
Ruth: „Keine Ahnung. Dafür ist es im Ultraschall noch zu früh.“
Ich warf Diana einen verschwörerischen Blick zu und forme ein stummes „Eine totale Null, die Wahrsagerin.“ Diana schmunzelt und nickt zustimmend.
Elke seufzte Chips kauend: „Ich hätte gerne ein Baby.“
„Und wer hindert dich daran?“
„Meine Schwiegermutter.“

05.11.06 10:15:14, 