Sauwetter
von Eufemia Pursche
Heute früh wurde ich durch das wilde Gepiepse einer Gruppe hysterischer Vögel geweckt. Mein „Schnauze, Spatzenpack!“, verhallt ungehört. Ich muss das Bett wohl leider verlassen um die Balkontür zu schließen.
Ein Blick aus dem Fenster.
Himmel, was für ein schöner Tag!
Was für ein sch…schöner Tag!
Allmächtiger, ich dachte, ich hätte mich klar und deutlich ausgedrückt: Ich will noch keinen Frühling. Ich bin noch nicht bereit, meine winterliche Höhle zu verlassen. Ich will die Zeit noch ein wenig anhalten. Ist das wirklich zu viel verlangt?
Ich will Stürme, sintflutartige Regenfälle, Donner und Blitz um den ganzen Tag zu Hause abhängen zu können. Unter der Kuscheldecke oder ohne schlechtes Gewissen vor dem Pezeh.
Ohne mein schlechtes Gewissen: Was machst du zu Hause? Du solltest deinen Hintern nach draußen bewegen und den schönen Tag genießen!“
Ich möchte, dass sich die Katze in meine Halskuhle kuschelt und schnurrt. So eine Katze piekst nicht und muss sich nicht täglich rasieren.
Da sind sie also, die ersten warmen Sonnenstrahlen und die ersten richtig blauen Flecken am Himmel.
Ich werde mein Bett also wirklich verlassen müssen, meinen rosa Frotteeschlafanzug einmotten und den Weihnachtstee gegen Apfelschorle eintauschen.
Der Frühling ist wieder auferstanden. Und mit ihm der Osterputz, die Geburtstage von Der-Herr-Papa und Willalleine, Epilation von Bein-, Achsel- und Bikinizonebehaarung und das peinliche Gefühl, dass alle außer mir tierisch mit irgend etwas beschäftigt sind.
O.k., ich mache mir erstmal einen Kaffee. Danach sehen wir weiter.

21.03.05 12:43:56, 