Rauschwortsetzung - 99

von Eufemia Pursche E-Mail

-99-

Eines Tages lösen Ereignisse, Geschichten, in denen wir nur Zeugen, Statisten, Erzählerrollen einnehmen wollten, über uns das Spektrum ihrer Offensichtlichkeiten. In einer ersten Bewegung wollte ich deinen Brief zerreißen; dann übernahm die Vernunft wieder die Regie. Das letzte Mal an dem mir die Erinnerung entrann, wusste ich hinterher zumindest, dass es sich um einen Traum handelte. Die triste Bar besaß einen altmodischen Tanzboden und ein altes weißlackiertes Klavier. Die Gäste flüsterten, um die Stimmung nicht zu stören. Der Mann neben dem zusammengerollten Mantel rauchte schweigend und notierte mit nachsinnendem Blick ab und zu einige Zeilen in ein Heft. Finden Sie es nicht feige, unsignierte Briefe zu versenden?, fragte ich ihn. Er lächelte mitleidig. Keine Schrift ohne Signum! Entweder in einem Namen oder in der Klarheit des Textkorpus. Ich sammelte Fragmente die mir nicht gehören, folglich bin ich nicht verantwortlich für das, was sie bewegen. Finden Sie es nicht pervers, konterte ich, sich hinter der Wahrheit zu verstecken? Es ist unehrlich, unmenschlich! Ein leichter Trauerschleier trübte Éluards Augen. Die Wahrheit ist gefroren wie mein Herz, Cora.