Page99 - 80

von Eufemia Pursche E-Mail

zückt er einen Stift und einen Zettel aus seiner Hosentasche und kritzelt schnell eine Bemerkung darauf. Frau Bergmann holt Tassen und Zucker, der junge Besucher steckt seine Notiz wieder in die Tasche und nimmt ihr lächelnd das Geschirr ab. Frau Bergmann lächelt nicht. Das Buch liegt auf dem geblümten Wachstuch des Küchentischs, gleich neben dem Fleck.
Frau Bergmann schlürft ihren Kaffee. Er schmeckt genau so, wie sie ihn mag. Der Besucher deutet mit dem Daumen auf seine Brust. Langsam spricht er seinen Namen aus. Ay-o-de-le. Ayodele. Es bedeutet, die Freude kommt ins Haus. Er schaut sie fragend an. Helene. Hat sie das wirklich gesagt? Ihr Name füllt den Raum zwischen den Küchenwänden und legt sich neben das Buch, vermischt sich mit dem Kaffeeduft. Helene, wiederholt er rau. Sie öffnet das Buch und beginnt zu lesen. Der junge Mann rührt sich nicht. Es ist eine alte Geschichte. Eine Geschichte, die Helene nun öffentlich macht. Langsam und getragen von Wort zu Wort.
Sie versucht nicht, die Geschichte zu ihrer zu machen. Frau Bergmann reiht nur Satz an Satz. Ayodele schließt die Augen und lässt sich vom Klang des Vortrags tragen. Die Laute klingen wie ein Gebet, auch wenn er ihren Sinn nicht versteht. Die alte Frau schweigt. Es ist nicht die gewohnte Stille, allein zu sein. Es schwingt ein zwischenmenschliches Schweigen im Raum. Verlockend. Helene kostet, nimmt das Buch wieder auf und erh