Aus dem Effeff: Fingerspiele
von Eufemia Pursche
Rita und ich hatten ein Wochenende in London geplant. Auf dem Flugplatz in Düsseldorf verspürte ich ein leichtes Brennen beim Wasserlassen. Nach der Landung in Heathrow verstärkte sich der Schmerz. Im Hotel ging ich bereits durch die Hölle. Im Fünfminutentakt verspürte ich den Drang zu pinkeln.
Rita hatte vor einem Monat eine Blasenentzündung gehabt und sicherheitshalber eine halbe Apotheke passender Medikamente dabei. Ich schluckte eine Packung mit vier Litern Wasser. Die Nacht verbrachte ich auf der Toilette. Zu allem Überfluss gesellten sich am nächsten Morgen zu meiner „urinalen Diarrhö“ auch noch Fieber, Muskelkater und ein Kreislauf im Keller.
Also doch zum Arzt. Ich erklärte in meinem besten Schulenglisch mein Problem, und zehn Minuten später machte der Doc Bekanntschaft mit meiner Prostata. Bevor er mich penetrierte, erklärte er mir: „Well, Mr. Förster, Blasenentzündungen sind bei Männern äußerst selten. Die meisten Harnweginfektionen werden von Nieren, Hoden oder Prostata ausgelöst.“
Zunächst Abtasten der Nieren. Nichts Auffälliges, keine Schmerzen. Dann die Tastuntersuchung der Hoden. Dito. Er zog daraufhin einen Latexhandschuh an, tauchte den Zeigefinger in Vaseline und forderte mich auf, mich auf die Seite zu legen. Auf der rechten Seite (ich wusste nicht, dass meine Prostata eine rechte Seite hat …) spürte er nichts. Ich auch nichts. Auf der linken Seite spürte er einen Knoten und ich einen Mordsschmerz, als ihn berührte. Bingo! Die Schatzsuche war beendet. Höchste Zeit! Eine Entzündung der Prostata ist bei einem Dreißigjährigen anscheinend sehr selten. Daher telefonierte der Arzt mit einem Speziallabor für weitere Untersuchungen um etwas Ernstes auszuschließen.
„Ich warne Sie vor, die Untersuchungen sind unangenehm und bisweilen auch schmerzhaft.“
Es folgten Blutabnahme, Röntgen, Ultraschall des Unterbauchs, Urinprobe aus der Harnröhre. Als der Assistent den Stock in besagten Kanal schob, sah ich Sterne. Erst später erfuhr ich, dass diese Methode als Highlight unter Folterern gilt. Ich werde also nicht versuchen, hier die Worte zu wiederholen, die ich dort in beachtlicher Lautstärke abgelassen habe.
Meine erste Reaktion auf die Info, dass meine Infektion durchaus gefährlicher sein könnte als eine simple Entzündung mit gutartiger Ursache, löste eigenartigerweise weder Angst noch Stress, sondern Erleichterung bei mir aus.
Als der Arzt mir mit ernster Miene die Untersuchungsergebnisse überreichte, empfahl er mir, dringend kurzfristig weitere Untersuchungen.
„Na gut, alles wird gut. Die Natur kümmert sich um alles. Ich brauche nicht mehr aus dem Fenster zu springen.“
Zurück in Düsseldorf überreichte ich meinem Hausarzt alle Ergebnisse. Ich saß ihm gegenüber als er diese mit Grabesmiene kommentierte. Ich betrachtete inzwischen fassungslos seine Hände. Bratpfannen mit Fingern wie Currywürste! Als er mich aufforderte mich für eine Tastuntersuchung auf die Seite zu legen, streikte ich und ertrotzte eine Überweisung zum Spezialisten. Diesem erzählte ich alles. Wirklich alles. Über die Untersuchungen, die beiden Ärzte, meine Angst, alles. Er beruhigte mich und erklärte, dass ich mir unnötig Sorgen machen würden. Die Entzündung war wohl eher psychischer Ursache als etwas anderes. Stress, Müdigkeit vermischt mit verhaltenem Pinkeln könnten Prostataentzündungen hervorrufen. Das sei gar nicht so selten. Meinen Hausarzt habe ich übrigens gewechselt. Ich bin jetzt bei einer Ärztin.




27.05.09 08:53:39, 