Schweigendes Semikolon
von Eufemia Pursche
Wir leben in einer Welt, die den Gebrauch des Semikolons nahezu verloren hat; ich rede in unvollendeten Sätzen, mit drei Pünktchen, weil dem richtigen Wort vielleicht ein richtigeres folgen könnte...
Und weitere Kniffe, Komma, meine, nicht wahr, am Ende des Weges, und dann? Nichts, das Nichtgesagte, das Nichtssagende, Tabula rasa, epilierte Alternative, nackte Wahrheit, und dann? Nach dem Komma, Komma, Klammern (ich rahme gerne zwischen Klammern ein), Satzzeichen, und das ist ein Doppelpunkt: das Ausrufezeichen ein kleines Fallbeil - schön trocken, so: Adjektiv. Vielmehr Subjektiv. Definitiv!
Soll ich mir Fragen stellen über das Fragezeichen? Um das Wort beim Namen zu nennen: erst vor zwei drei Tagen, hopp hopp, schreiben, falsch! Schlecht ausgedrückt; es ist niemals das Wort... kein einziges Wort... vielmehr ein geordneter Ablauf der sich auf bestimmte Art und Weise folgenschwer ergibt, geisterhaft langes Echo am Ende von Ketten, Echo, immer wunderschön. Es kommt selten vor, dass mich ein einzelnes Wort anspricht, das geschieht eher als Paket, Bündel, Strauß, Zubehör und in einem bestimmten Sinn, nur in einem bestimmten Sinn. Ich lege das Fundstück in mich hinein, lerne es auswendig, glaube, es irgendwo gelesen zu haben, tatsächlich autozitiere ich mich. Das bedeutet wohl, Referenzen zu haben, nicht wahr? Bedeutet dies, sich in den persönlichen Katalog einzutragen und in die eigenen Annalen einzugehen? Noch halte ich mich zurück. Was sich sonst noch aufdrängt, sind Schallsequenzen, eine eigene Musik, geschriebener Autismus, wenn ich das schriebe... planetarische Dikalmertane... sumerische Lovobilis, ohnesichtige Marogiden! Nicht, dass dies nicht bereits geschehen ist, aber ich bin dumm. Dran. Weil ich die Partitur verworfen habe. Dabei enthielt sie, in den Verben, in den Worten... sich verstehen. Fühlen. Schweigen, nicht lügen. Schweigen; schweigen... Schweigen.




19.09.08 09:56:41, 