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von Eufemia Pursche
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Der Handyakku ist noch fast voll, trotzdem zieht Sandy es vor, von der Hotelhalle aus zu telefonieren.
„Lassen Sie mich raten. Sie rufen nach Hilfe?“
Sandy dreht sich um und starrt perplex auf die breitschultrige Gestalt hinter ihr.
„Keine schlechte Idee“, fährt er fort. „Sie könnten die Feuerwehr bitten, ihn mit einem Wasserstrahl zu ertränken oder die Polizei, ihn einzubuchten oder den Notarzt, ihn ins nächste Krankenhaus zu verfrachten.“
„Jetzt hören Sie mal gut zu!, protestiert Sandy. „Sie sprechen von meinem Freund und gehen mir gewaltig auf die Nerven!“
„Aber nein, ich verwirre Sie höchstens ein wenig. Vielleicht liegt das am Steak. Es war ungenießbar. Verzeihen Sie. Ich gehe jetzt rauf. Wenn Sie möchten, können Sie von meinem Zimmer aus telefonieren.“
Sandy folgt ihm bis zum Aufzug. Sie denkt an Olli. Flüchtig. Dann denkt sie an die Erdnüsse und die kleine Bedienungsschlampe der er weiter schöne Augen machen wird. Sie kann Olli getrost alleine lassen. Zumindest für ein Weilchen.
„Ich heiße Sandy.“, stellt sie sich kurz vor Erreichen der achten Etage vor.
„Ich heiße Gregor.“ Sie geben einander die Hand, dann führt er Sandy zu seinem Zimmer.
Seine Zimmer. Gregor besitzt eine Suite.
„Sind Sie betrunken?“, fragt er.
„Leider nein.“, bedauert Sandy.
„Haben Sie Hunger?“
„Nein.“
„Möchten Sie jetzt telefonieren?“
„Ja, bitte.“
„Einen kleinen Prosecco?“
„Ja, danke.“
„Sie müssen die 9 vorwählen um raus zu kommen.“
„Danke.“
„Hahaaallo?“
Das ist Simone. Grölender Gesang im Hintergrund. Sandy weiß, das ist Sonja, die die Toten Hosen imitiert. Sie stellt sich förmlich vor, wie Sabine sich auf der Couch vor Lachen schüttelt. Simone sitzt sicher im Schneidersitz auf dem Boden und hält den Hörer eingeklemmt zwischen Kinn und Schulter während sie sich einen kleinen Joint dreht.
„Ich bin’s nochmal.“
„SANDY!“, kreischt Simone.
Sonja und Sabine reißen ihr fast den Hörer aus der Hand und skandieren: „Randy Sandy! Randy Sandy!“ Der Krach ist so laut, dass Sandy ihren Hörer in den Raum hält, sehr zu Gregors Vergnügen, auf dessen Gesicht sich ein fettes Grinsen breit macht.
„Klappt es gut mit Christian?“, fragt Simone während im Hintergrund Sabine korrigiert: „Er heißt Christoph.“
„Ich bin nicht bei ihm.“, antwortet Sandy kleinlaut. „Ich bin bei Gregor, in seinem Hotelzimmer.“
Schweigen breitet sich aus. Dann vernimmt Sandy, wie Simone den Freundinnen die vernommene Nachricht Wort für Wort wiederholt, mit gebührenden Pausen, um der Dramatik der Lage gerecht zu werden.
„Wer zum Teufel ist Gregor?“; hört sie Sonja hecheln.
„Wo ist das vermaledeite Hotel?“, hört sie Sabine fluchen.
„Geht es dir gut?“, fragt Simone besorgt.
„Mhm...buuuuuh, k k könnt ihr mich abholen?“
Simone, Sonja und Sabine schauen sich an. Sie sind in Bochum. Sie sind nicht betrunken. Nur ein wenig beschickert. Ihre Freundin befindet sich fix und fertig mit den Nerven in einem lausigen Hotelzimmer mit einem Typen namens Gregor, einem untreuen Schwein von Freund acht Etagen tiefer an der Bar. Zu viel für eine einzelne Frau.
„Sandy!“, ruft Simone.
„Gregor!“, ruft Sonja.
„Schnell, ein Taxi!“, ruft Sabine.




09.07.08 17:04:59, 