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von Eufemia Pursche
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überlegt, wo er sich hinsetzen soll. An das andere Ende der Bank um ihr nicht zu nahe zu treten? Soll ich, soll ich nicht, soll ich, soll ich...? Uli seufzt vernehmlich, so dass die junge Frau ihren Kopf hebt und ihre Blicke sich kreuzen. Sie scheint sich nicht besonders wohl zu fühlen. Mist! Egal. Er setzt sich auf die Nachbarbank und zieht ein zerknittertes Taschenbuch aus seiner Jacketasche. Das Schrottteil, das Mara ihm vor ein oder zwei Jahren geliehen hat. Du wirst es LIEBEN. Es ist WAHNSINNIG witzig und vor allem so wahr! Es handelt von Männern und ihren Beziehungskisten. Das musst du ABSOLUT lesen! Uli hatte sich begnügt, Mara mit einem gequälten Lächeln zu danken. Er hatte es in die Innentasche seiner Jacke gestopft und zwischen den Zähnen gemurmelt: Hast du nach zehn Jahren immer noch nicht begriffen, dass ich keine Bücher mag? Genau so wenig wie Worte. Ich hasse es, wenn die Gedanken anderer Menschen in meinem Kopf herumspuken.
Doch in der vergangenen Woche hatte Uli mitbekommen, dass die junge Frau auf der Bank ein Buch von der gleichen Autorin las. So hatte er den alten Schinken hervorgekramt und fand das Buch tatsächlich witzig. Es handelte von einem Typen der in einem CD-Laden in Frankfurt arbeitete und ständig Beziehungsknatsch hatte.
Uli öffnet das Buch und blättert geräuschvoll. Die junge Frau hebt wieder den Blick nickt ihm kurz zu und lächelt Rex zu, der entspannt unter der Bank liegt und ihr mit freudigem Wedeln seinen treusten Schmachtblick schenkt.
Uli ist entzückt. Ein Mensch, der seinem Hund eine liebevolle Geste schenkt, ist ihm gleich sympathisch. Wenn sie jetzt noch Drachenfliegen und Flamenco mag, wäre sie eine ideale Frau für ihn. Aber das wird er natürlich nicht erfahren. Er richtet nie ein Wort an wen auch immer. Die junge Frau ist sicher Single. Warum würde sie sonst ihre Samstagnachmittage auf einer Parkbank verbringen? Uli stellt sich vor, wie sie anschließend auf dem Nachhauseweg eine einzige köstliche Champagnertrüffel ersteht. Sie ist sicher nicht der Typ, der sich tütenweise Schokoriegel reinzieht. Und dann wird sie sich frischen Tee aufbrühen und ihre Katze mit frischen Lachsstückchen füttern.
Ulis Banknachbarin schaut abrupt auf ihre Uhr, knickt ein Eselsohr in die Seite und verstaut das Buch in ihrer Tasche. Im Vorbeigehen lächelt sie ihn an und wirft ihm ein Hallo... zu bevor sie eilig davon trippelt.
Uli erstarrt. Die Frau hat ihn ANGESPROCHEN. Warum tut sie ihm das an? Was bezweckt sie mit ihrem Hallo...? Verfolgt sie ihn? Panisch...




05.06.08 19:29:04, 