Kinderleicht

von Eufemia Pursche E-Mail

Als ich aus Ritas Haus komme, spricht Johann mich an. Er ist Antiquitätenhändler, verkauft aber nicht nur Möbel. Erwin hat seine Trompete bei ihm gekauft und Frau Weber eine Minibar aus dem Fundus des aufgelösten Hotels Zum alten Posthorn.
Johanns Glatze und seine Goldzähne glänzen um die Wette. „ Herr Förster, ich habe fünf Laptops rein bekommen.“
Ich bin nicht mal sicher, ob ich so ein Ding überhaupt will."
„Gucken kostet nichts.“
Im Laden fällt mein Auge nicht auf die ausgemusterte Elektronik, sondern auf eine alte Schreibmaschine mit hohen Lettern. Auf solch einem Gerät schrieb Tante Lydia ihre anonymen Briefe, die ihr später so viel Ärger einbrachten.
„Ich überlege es mir.“ Als Ausgleich biete ich Herrn Johann eine Zigarette an. Er ist Nichtraucher. „Soll ich auf meinem Blog Werbung für Ihre Laptops machen?“ Herr Johann bedankt sich überschwänglich.
Jesus hätte Johann nie aus dem Tempel getrieben. Ich kann mir die beiden lebhaft vorstellen: Seite an Seite auf Second Hand Stühlen, nicht rauchend und nicht redend. Einfach schweigend nebeneinander.
Ich bin fest davon überzeugt, dass ich endlich mein Buch schreiben werde, sobald ich mich in eine elektronische Schreibhilfe verliebe. Erwin glaubt mir nicht. Ich sei zu alt, zu faul und zu redselig, um mich mit der nötigen Disziplin in eine ruhige Ecke zu verziehen und zu schreiben.
Rita hat keine Meinung dazu. Sie interessiert sich nicht für Literatur. Die Glotze reicht ihr. Sobald ich einen zaghaften Versuch in die Welt des geschriebenen Worts starte, unterbricht sie mich mit so wichtigen Aktionen wie Blumengießen.
Die einzigen Bücher, in die Rita ihre Nase steckt, sind Pflanzenratgeber oder Kochbücher. Wenn ich will, dass sie mein Buch liest, muss ich einige Rezepte einflechten. Tante Lydia hilft mir da sicher aus der Patsche.

Es war gut, dass ich mir den Kauf des Laptops verkniffen habe. Rita ist schwanger. Ich brauche das Geld.
„Zumindest, wenn du das Baby behalten willst.“
„Würde dir das gefallen?“
„Ich sagte, wenn DU das Baby behalten willst. Wenn ja, höre ich auf zu rauchen und zu trinken, ich lege die Beine hoch und werde eine mustergültige Schwangere. Ich werde den ganzen Tag an deine hübschen Ohren denken, damit es die gleichen bekommt. Nach der Geburt übernimmst du es dann. Es wird dein Baby sein, Frank.“
„Aber ich will kein eigenes Baby, Rita!“
„Dann müssen wir eine andere Lösung finden.“
„Madonna?“

1 Kommentar

Kommentar von: Michael Bauer [Mitglied] E-Mail
WOW! Da sitzt ein Bild, wie das andere. Ich bin immer noch bei der gebrauchten Minibar. Und wer ist Erwin? Ich kenne ihn! Der Schluss ist grandios!
28.05.08 @ 20:32

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