ARBEITSWELT
von Eufemia Pursche
Zerstreut blättere ich in der Welt vom Ende bis zum Anfang. Das öffnet einen ganz anderen Blick auf das aktuelle Geschehen. Eine Frau liest Slow Motion, der Titel gefällt mir, ich notiere ihn für später. Zwei Männer brüten vor dampfenden Muscheltöpfen über Liebe, Treue, Ideale. Sie scheinen noch daran zu glauben. Nach dem zweiten Bier wechselt das Thema zu den Frauen („Sobald sie eine Falte sehen, kommt das einer Krebsdiagnose gleich“). Danach sind die Hunde dran um bei fundamentalen Fragen der Menschheit fortzufahren.
Alle glauben, ich sei im Seminar. Ich hatte genug davon und habe mich nach einer Stunde verdrückt. In meiner Lieblingskneipe zu arbeiten erscheint mir sinnvoller als der Litanei eines „Vollprofis“ zu lauschen, dessen didaktischen Methoden in den Spätfünfzigern hängengeblieben zu sein scheinen, obwohl er als „hoffnungsvoller Newcomer“ gehandelt wird.
Jetzt aber. Ich entziehe dem Hund, der mich seit einer halben Stunde wohlwollend anwedelt meine Aufmerksamkeit, klappe die Ohren vor den Muschelsuchern zu, die Zeitung faltet sich beleidigt zusammen. An die Arbeit!




28.11.04 16:55:46, 