Homepage einer Anthologie
Michael
Bauer
Tagesessen (mehrfach menü)
Während du liegst
Während du liegst
und kleine Leben
atmest und für mich aus
schlaf ich dir
Liebs und Leb
Kuchen fürs Frühstück
und Kaffee träum ich aus
Peru
weiter im Buch..........;-)
Eufemia
Pursche
Effeff . ein Gedicht
»Mittlere rotweiß mit
Krautsalat, macht drei Euro neunzisch, Liebschen. Thanks. Un eins
zehn zurück. Yes, very diet. Juten Appetit. Enjoy your meal.«
Das ist wirklich kein Nachmittag
um ein Buch zu schreiben. Im Schatten des Kölner Doms drängelt
sich eine lange Schlange Kunden vor meiner Frittentheke. Heute sind
es hauptsächlich Japaner und Amerikaner. Europa in zehn Tagen.
Manche versuchen sogar, deutsch zu sprechen. Eine wirklich rührende
Geste. Ich lasse sie sich lächerlich machen, weder ermutige ich,
noch entmutige ich sie. Ich meine damit, wenn Touris sich schon die
Mühe machen, verschollene Schulkenntnisse zusammenzukratzen oder
extra einen Sprachführer bemühen, ist es ihr gutes Recht,
auszuprobieren, ob der Unterricht auch zu was nütze war. Bei mir
wird Gastfreundschaft groß geschrieben. Die Bildung, die ich
genossen habe, ist nicht mal den Piekser für die Pommes wert.
Ich habe sie mir angeeignet, nachdem ich mir einen Job gesucht, mich
im Leben umgeschaut hatte, und danach trachtete, einfach glücklich
zu sein. Das ist keine Frage der Intelligenz oder der
Vernunft. Ich habe mein Studium
hingeschmissen, weil es mir nichts mehr brachte. Es sprach mich
einfach nicht mehr an; die Uni war wie die Statuen drüben im
Dom: mit starrem Blick, Staub auf den Schultern, völlig
gleichgültig gegenüber dem Echo meines diskreten Hüstelns.
Die Bücher waren leer wie die Flasche Ketchup am Abend. Es war
nicht meine Intelligenz, die damals stiften ging; es
war die Langeweile die hoch
kroch, sich ausbreitete und 138 von allem Raum ergriff. So wie
erhitztes Gas im Glaskolben eines Chemielabors.
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Willi
Corsten
Die Traumhüterin aus der
Provence
Sidonia war eine weise Frau, die
sich im Reich der Träume gut auskannte. Sie humpelte Nacht für
Nacht durch unsere kopfsteingepflasterte Dorfstraße, ruhte ein
Weilchen vor der Kirche aus und sah hoch zu den alten Platanen, die
ringsum den Platz säumten. Dann rückte sie die Spitzenhaube
zurecht und setzte schweigend ihren Weg fort. Unterwegs fing sie all
die Träume ein, die aus den Schlafkammern der jungen Leute
schwebten. Sidonia trug die hauchfeinen Gebilde in ihre Stube, füllte
Stück für Stück in Einweckgläser und klebte bunte
Zettel obenauf, die mit den Namen der Träumer versehen waren.
Dann stellte sie die Gläser behutsam in den alten
Nussbaumschrank.
Eines Tages richtete Sidonias
schwarzer Kater in der Stube seltsame Dinge an. Er schnurrte
geheimnisvoll, trippelte durchs Zimmer und öffnete den Schrank.
Das Glas mit der Aufschrift Gérard fiel herunter von seinem
Platz und zerschellte auf dem steinernen Fußboden. Sidonia
eilte erschrocken näher,
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Gertraud
Schubert
Magie der Krautsuppe
Er hatte Krautsuppe gekocht.
Beinahe wäre ich aufgestanden und gegangen. Lädt mich zum
Abendessen zu zweit ein und serviert mir dann so etwas Ordinäres
wie eine Krautsuppe. Ich hatte mindestens Austernpilze in Balsamico
erwartet, Rucola mit Ziegenkäse überbacken und mit
Kirschtomaten garniert oder Garnelenspießchen vom Grill mit
Orangensauce.Stattdessen bekam ich einen Suppenteller mit einer roten
Brühe, in der Krautstücke schwammen. Sie war ziemlich
scharf, diese Suppe, trieb mir den Schweiß aus
allen Poren, und irgendwie vergaß
ich zu fragen, wo die zweifarbige Mohnmousse mit Himbeersauce war,
die er mir versprochen hatte. Als wir nach zwei Stunden von einander
abließen, dachte ich auch nicht mehr an den sizilianischen
Zitronenkuchen, den ich mitgebracht hatte, dachte nicht an Cappuccino
oder Grappa, sondern trank blankes Wasser, zwei Gläser, solchen
Durst hatte ich. Er lachte, nahm mich in den Arm und sagte: »Wenn
du das nächste Mal kommst, mache ich uns wieder eine Krautsuppe
mit Paprika!« Am nächsten Tag fuhr ich in den Bioladen und
kaufte einen Krautkopf, Paprikapaste und natives Olivenöl.
Abends bekam der nichts ahnende Ehemann eine Experimentalkrautsuppe
vorgesetzt. In dieser Nacht wurden meine Zweifel
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Elsa
Laska
Das Keanu-Reeves-Syndrom
Keanu
Reeves packte sein Ding aus und ich hätte schreien können
vor Glück: Er wollte mich! Sofort und auf der Stelle, in diesem
anheimelnd schäbigen Motelzimmer. Davon hatte ich immer
geträumt. Gerade wollte ich mir die Bluse aufreißen und
einen Schritt auf ihn zugehen, als ich mich sagen hörte: »Keanu,
bitte. Lass uns doch einfach noch ein bisschen reden, ich meine, für
mich wäre das o.k. Wirklich!« Das konnte doch nicht wahr
sein! Ich versuchte, wenigstens einen Blick auf Keanus Lendenregion
zu erhaschen, doch statt eines steil aufgerichteten, zum Bersten
prallen Schwanzes erschien ein Querbalken mit der Aufschrift Leider
zensiert! in meinem Sichtfeld - und das in meinem eigenen,
persönlichen Traum. Wütend riss ich die Augen auf, warf die
Decken von mir und sprang in Rage aus dem wogenden Wasserbett.
Verflucht! Bereits vor einigen Wochen war mir das unerklärliche
Phänomen aufgefallen: Ich hatte von meinem
Lieblings-Tatortkommissar geträumt, der sich vor meinen Augen
einen runterholte. Mein Unterbewusstsein zoomte auf die Lendenregion
von Miroslav Nemec, um eine wunderbare Großaufnahme zu erhalten
und da erschien zum ersten Mal dieser verdammte Zensurbalken. Seither
verstand ich die Welt nicht mehr.
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